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Kunstfleisch

Mai 29, 2009 By: Redaktion Category: Wohlbefinden

Die Meldung erinnert an Douglas Adams’ Science-Fiction-Persiflage “Das Restaurant am Ende des Universums”. In Adams’ Vision muss kein Mensch mehr aus Gewissensbissen Vegetarier werden: In der Zukunft haben die Genetiker längst Tiere gezüchtet, deren Herzenswunsch es ist, geschlachtet und verspeist zu werden. Um ein reines Gewissen zu haben, muss der Gourmet und Tierfreund also Fleisch verspeisen. Und, da die masochistischen Fleischlieferanten sogar sprechen können, erklären sie dem Restaurantbesucher sogar noch ausführlich, welche ihrer Teile am besten schmecken: vom Braten beraten.

Ganz so weit ist es freilich noch nicht, und doch träumen die irdischen Tierfreunde von hier und heute bereits vom moralisch unbedenklichen Fleischgenuss. Erste Schritte zu diesem Ziel, so hoffen sie, werden derzeit an der niederländischen Universität Utrecht unternommen. Dort müht sich der Biotechnologe Bernhard Roelen, das erste Steak aus dem Reagenzglas zu züchten. Zwar schwimmen in dessen Petrischalen bislang nur Stammzellen in einer Nährlösung aus Wasser, Zucker, Vitaminen und Aminosäuren. Aber wenn alles gut geht, werden sie zu Muskelgewebe wachsen – ein Filet, für das sich nie ein Metzger die Schürze blutig machen musste.

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labor-fleisch

Noch kann Roelen nur auf eine dunkelrote, zähflüssige Masse verweisen, eine schleimige Substanz – nicht besonders lecker. Zudem schlummern in flüssigem Stickstoff Schweine- und Kuh-Rohstoffzellen bei minus 196 Grad Celsius im In-Vitro-Tiefschlaf. “Fleisch in Tieren heranwachsen zu lassen ist unvernünftig und veraltet”, beschreibt Roelen sein Credo. Wozu ein ganzes Tier mästen, wenn man doch nur einen Teil isst?

Was aus den Laboren frisch auf den Tisch kommen soll, ist dagegen Bodybuilding im wahrsten Sinne des Wortes. Derzeit erproben Forscher, ob Muskelfasern durch Elektroschocks schön fett und saftig werden. “Gefüttert” werden könnten die Körperteile dann mit Algen. Klappt das alles, soll das Fleisch später sogar im 5000-Liter-Tank reifen. Das Patent für das Frankenstein-Fleisch hat sich Willem van Eelen, Geschäftsmann aus Amsterdam, bereits gesichert. Bis die Designerwurst aber tatsächlich bei Aldi & Co. im Kühlregal liegt, dürfte es – optimistisch geschätzt – noch zehn Jahre dauern.

Gute Nachricht für Tier- und Klimaschützer

Um diese Vision nun voranzutreiben, will die Tierschutzorganisation Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) einen zusätzlichen finanziellen Anreiz schaffen: Sie lobte kürzlich eine Million Dollar Preisgeld für denjenigen aus, der bis 2012 Hähnchenfleisch aus dem Labor an die Theke bringt. Womit die Spaltung der Grünen Bewegung in Tierfreunde und Genmanipulationsgegner programmiert sein dürfte.

Die Klimaschützer wiederum müssten dann auf der Seite der Tierschützer stehen: Ein Ende der Massentierhaltung würde auch dem Erdklima zu Gute kommen, erklären die Befürworter.

Derzeit verpesten 20 Milliarden Nutztiere weltweit die Luft mit ihren Methan-Abgasen und beanspruchen Weideflächen, die durch Rodungen von Wäldern freigeschlagen werden.

Schon heute sei die Nutztierhaltung ein ebenso großer Klimasünder wie der weltweite Verkehr. Zudem agiert die Natur völlig unwirtschaftlich: Sieben Kilogramm Pflanzenfutter sind nötig für jedes Kilogramm Fleisch, das ein Mastvieh hergibt. Vor allem den Armen dieser Welt futtern sie so ein Drittel aller Getreidevorräte weg.

Allerdings, und das ist der Haken an dem Projekt, ist das Reagenz-Steak derzeit noch alles andere als Billigfleisch: Die Zucht eines In-Vitro-Schnitzels würde bislang etwa 1000 Euro kosten.

Quelle