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Klima-Zeitbombe Permafrost

Juni 2009: Der Boden unter den Eisenbahnschienen bei Chara ist weggesackt.

Juni 2009: Der Boden unter den Eisen­bahn­schie­nen bei Chara ist weggesackt.

Ganze Wäl­der kip­pen; fes­ter Boden wird zu tie­fem Sumpf; Asphalt birst, Häu­ser rei­ßen ein; Öl– und Gas­pipe­lines bre­chen: Fol­gen des Kli­ma­wan­dels in Sibi­rien. Der Per­ma­frost, der ewig gefro­rene Boden, taut und wird insta­bil. Das Tau­wet­ter im hohen Nor­den geht auch uns an: Es hat mas­sive Fol­gen für das glo­bale Klima.

Der­zeit ist eine Green­peace–Expe­di­tion auf dem Weg nach Sibi­rien, um die Situa­tion vor Ort zu unter­su­chen und zu doku­men­tie­ren. Es ist bereits die dritte. Im Som­mer 2009 bereis­ten zwei Green­peace–Teams die Halb­in­sel Jamal in der Kara­see. Was sie dort vor­fan­den, war alar­mie­rend: Das schmel­zende Eis hin­ter­lässt Hohl­räume, der Boden bricht ein. Gebiets­weise fül­len sich die Kra­ter, in ande­ren Gegen­den dage­gen ver­schwin­den ganze Seen oder sackt das Grund­was­ser weg. Ganze Land­schaf­ten kollabieren.

Was in Sibi­ri­ens Tun­dra geschieht, ist ver­häng­nis­voll für die Men­schen, die dort leben. Auf Jamal betrifft es vor allem das Volk der Nen­zen. Sie sind Noma­den und wan­dern täg­lich kilo­me­ter­weit mit ihren Ren­tier­her­den. Im Laufe des Jah­res durch­wan­dern sie die Halb­in­sel. Schon seit län­ge­rem ist diese tra­di­tio­nelle Lebens­weise durch die Erd­gas­för­de­rung auf Jamal bedroht. Jetzt kommt durch das Tauen der Böden eine wei­tere mas­sive Bedro­hung hinzu.

Doch das Tauen der Böden hat Fol­gen weit über die Per­ma­frost­re­gio­nen hin­aus. Der Per­ma­frost gilt als ein zen­tra­les Kipp-Element für das Klima. Das heißt, kippt das Klima hier, so hat dies Aus­wir­kun­gen auf das gesamte Welt­klima. Die unge­heu­ren Men­gen an Treib­haus­ga­sen, die hier lau­ern, kön­nen den Kli­ma­wan­del unge­heuer beschleunigen.

Per­ma­frost­bö­den sind Koh­len­stoffsen­ken. Schät­zun­gen zufolge könn­ten dort 1.600 Mil­li­ar­den Ton­nen Koh­len­stoff gespei­chert sein. Taut der Boden, so wird das orga­ni­sche Mate­rial der obe­ren Boden­schicht von Mikro­or­ga­nis­men zer­setzt. Steht dabei Sau­er­stoff zur Ver­fü­gung, ent­steht Koh­len­di­oxid (CO2). Herrscht Sau­er­stoff­man­gel, weil Was­ser auf der Ober­flä­che steht, ent­steht durch Fäul­nis­pro­zesse Methan (CH4). Methan ist 25-mal gefähr­li­cher für das Klima als Kohlendioxid.

Neben dem schon jetzt ver­mehrt frei­ge­setz­ten Methan lau­ert eine wei­tere Gefahr: Methan­hy­drate — große Kris­talle mit ein­ge­la­ger­ten Methan­mo­le­kü­len. Sie lagern in gro­ßen Men­gen ein­ge­schlos­sen im ver­eis­ten Boden, aber auch in Mee­res­se­di­men­ten. Methan­hy­drate bil­den sich bei hohem Druck und nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren. Sie sind brenn­bar und zer­set­zen sich an der Luft.

Fast ein Vier­tel der glo­ba­len Land­flä­che sind Per­ma­frost­bö­den. Der größte Teil liegt in der nörd­li­chen Hemi­sphäre: rund 23 Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­ter. 60 Pro­zent Russ­lands und große Teile Kana­das, Alas­kas und West­chi­nas sind durch­ge­hend gefro­ren — oder waren es bis­her. Der Frost kann von weni­gen Metern bis zu hun­der­ten tief in die Erde rei­chen. In Ost­si­bi­rien sind es 1800 Meter. (greenpeace.de)

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