Glücklich leben ohne Fleisch!

Yes, we can!
Subscribe

Grillieren ohne Fleisch

Juni 19, 2009 By: Redaktion Category: Wohlbefinden

Vegi ist Trend. Doch beim Grillen werden viele schwach. Wie man auf Fleisch verzichtet und trotzdem Geniesser bleibt.

powered by WordPress Multibox Plugin v1.3.5

Vegetarisch grillen

Wer nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt geht, weiss: Fleischessen ist schon lange nicht mehr cool. Da sind zum einen die regelmässig wiederkehrenden Skandale: BSE-Rinder, Antibiotika-Hühner oder Gammelfleisch. Zum anderen kennt der aufgeklärte Zeitgenosse die negativen Auswirkungen der Fleischproduktion: Masttiere fressen Mais und Soja aus den Drittweltländern, dafür hungern dort die Menschen – und gleichzeitig wird der Regenwald abgeholzt, um neue Anbauflächen zu schaffen. Ganz zu schweigen von den armen Tieren, die ihr Leben lassen müssen – und den Rindern, die Treibhausgase furzen. Fazit: Fleischesser haben eine miese Öko-Bilanz und ein schlechtes Gewissen, Vegetarier nehmen Verantwortung wahr und leben erst noch gesünder.

Fleischkonsum im Minus

Das schlägt sich auch in Zahlen nieder: Seit den frühen 90er-Jahren sinkt der Fleischkonsum praktisch stetig. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag aber im letzten Jahr immer noch bei 53,43 Kilogramm. Auch bei der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus macht sich der Vegi-Trend bemerkbar: «Früher wurden wir bei unseren Standaktionen im besten Fall belächelt, im schlimmsten Fall beschimpft», erzählt Präsident Renato Pichler. Heute outen sich viele Passanten spontan als Gleichgesinnte: «So viele, dass wir uns manchmal fragen, wer all da Fleisch noch isst.»

Härtetest für Vegis

Die Vorsätze sind da, doch das Fleisch ist schwach. Auf eine besonders harte Probe wird der Wille an lauen Sommerabenden gestellt. Dann, wenn es aus allen Gärten und von allen Balkonen duftet – süssherb nach gebratenem Fett über heissen Kohlen. Da kommen sie dann hoch: Die Erinnerungen an unbeschwerte Kinderjahre, unzählige Volksfeste – und das unvergleichliche Gefühl beim Biss in einen braun gebratenen Chlöpfer mit Senf.

Schlimmer ist nur noch die Einladung an einen Grillabend. Wenn alle ihre Bratwürste, Koteletten oder Lendennierstücke auspacken, und man selbst eine halbierte Zucchetti auf den Grill legt – die am Ende vertrocknet oder gar verkohlt ist.

Einverstanden: Es gibt Fleischersatz wie Tofu oder Quorn. Doch das Pseudofleisch ist meistens geschmacklos und trocken. Und da helfen auch noch so gute Argumente nicht weiter: So viel Verzicht wirkt lustfeindlich und alles andere als cool. Doch es gibt eine Lösung. Man findet sie im Kochbuch.

Grillen mit Genuss

Gleich mehrere Ratgeber neueren Erscheinungsdatums widmen sich dem Thema Vegi-Grillen. Alle sind sie eher Büchlein als Buch. Doch wer einen Blick hinein wagt, wird sich am Grill niemals mehr Blösse geben. Denn fleischlos Grillen mit Genuss, so die Botschaft, ist möglich.

Dabei gilt es, eine Grundregel zu beachten: Was dem Gemüse an Fett fehlt, muss ihm in Form von Öl zugeführt werden – am besten mit einem Pinsel. So verhindert man das Austrocknen oder gar Verkohlen.

Ganz wichtig ist auch die Sauce. Eigentlich logisch. Eine Wurst isst man schliesslich auch nicht ohne Senf – ausser vielleicht an der Olma. Wobei die gelbe Paste aus der Tube im Vergleich zu einer Orangen-Chili-Vinaigrette, einem Ziegenkäse-Kresse-Dip oder einem Balsamico-Honig-Dressing doch recht langweilig anmutet.

Beilage mit Zusatznutzen

Dazu kommt ein praktischer Nebeneffekt: So eine Sauce macht den Gemüsespiess oder die Tofuwurst nicht nur schmackhafter und saftiger. Nein, sie eignet sich auch bestens, um unter den Partygästen positiv aufzufallen. Denn wer so viel Kreativität in der Küche beweist, dem haftet etwas Spezielles an. Was der Vegi-Griller dann beim Smalltalk beweisen kann, indem er das exquisite Rezept ausgiebig erläutert. Das kommt gut an. Auch bei potenziellen Partnern – vor allem, wenn probiert werden darf.  (Berner Zeitung)