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Neuer Greenpeace-Chef will gegen Klimawandel hungerstreiken

Er will radi­ka­lere Pro­test­for­men: Der neue Chef von Green­peace Inter­na­tio­nal, Kumi Nai­doo, for­dert im SPIEGEL mehr Lei­den­schaft im poli­ti­schen Kampf. Im Kampf gegen den Kli­ma­wan­del for­dert er Hungerstreiks.

Ham­burg — Seit Mitte Novem­ber ist Kumi Nai­doo Geschäfts­füh­rer von Green­peace Inter­na­tio­nal, jetzt erklärt er im Gespräch mit dem SPIEGEL, wie er die Stra­te­gie der Umwelt­or­ga­ni­sa­tion ändern will. Im Inter­view spricht Nai­doo sich für “radi­kale Aktio­nen wie Hun­ger­streiks” im Kampf gegen den Kli­ma­wan­del aus.

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Der 44-jährige Men­schen­rechts­ak­ti­vist gehört zur indi­schen Min­der­heit Süd­afri­kas, Anfang des Jah­res demons­trierte er mit einem Hun­ger­streik gegen die Tole­rie­rung des Mugabe-Regimes durch sein Heimatland.

Mit sol­chen Pro­test­for­men will der Greenpeace-Chef, der bis­her als Men­schen­rechts­ak­ti­vist in Süd­afrika aktiv war, mehr junge Men­schen für die Umwelt­or­ga­ni­sa­tion gewin­nen. Im Kampf für Men­schen­rechte waren Men­schen schon immer “bereit, ins Gefäng­nis zu gehen oder sogar ihr Leben zu ris­kie­ren”. Nai­doo will diese “Lei­den­schaft für den poli­ti­schen Kampf einbringen”.

Skep­tisch äußert sich Nai­doo über die grund­sätz­lich ableh­nende Hal­tung von Green­peace gegen­über Tech­ni­ken wie etwa der Abtren­nung und Spei­che­rung von Koh­len­di­oxid in Kraft­wer­ken oder der grü­nen Gentechnik.

Ange­sichts von Ent­wick­lun­gen wie dem Gol­de­nen Reis, der unter­er­nährte Kin­der mit Vit­amin A ver­sor­gen und vor der Erblin­dung bewah­ren könnte, wolle er prü­fen, ob diese Posi­tio­nen nicht revi­diert wer­den müss­ten: “Wir müs­sen sicher­ge­hen, keine neue, rich­tige Ent­wick­lung zu verpassen.”

Gele­sen bei: Spie­gel

SPIEGEL: Für wel­ches Umwelt­ziel wür­den Sie in den Hun­ger­streik treten?

Nai­doo: Im Kampf gegen das der­zeit drän­gendste Mensch­heits­pro­blem: den Kli­ma­wan­del. Über radi­kale Aktio­nen wie Hun­ger­streiks haben wir bei Green­peace kürz­lich in der Tat schon nach­ge­dacht. Wenn die Kli­ma­kon­fe­renz in Kopen­ha­gen schei­tert, dann ist das nicht nur ein Ver­sa­gen der poli­ti­schen Kaste, son­dern auch unse­rer Kam­pa­gnen. Poli­ti­scher Kampf ist ein Mara­thon, der not­falls das ganze Leben dau­ern kann. Beim Kli­ma­wan­del aller­dings haben wir nicht ein­mal mehr Zeit für einen Halbmarathon.

Anmer­kung Kumi Nai­doo: Das Wort radi­kal wird im Eng­li­schen anders benutzt als im Deut­schen: Kumi Nai­doo meinte mit sei­ner Aus­sage spür­bare und tief­grei­fende Ver­än­de­run­gen. Um diese tief­grei­fen­den Ver­än­de­run­gen zu bewir­ken, ist und bleibt Green­peace unbe­re­chen­bar. Die Radi­ka­li­tät, über die wir spre­chen, wird sich aller­dings immer im Rah­men der Green­peace–Grund­sätze bewe­gen und wird damit immer gewalt­frei sein. Auch dabei wer­den wir in Zukunft radi­kal blei­ben. Seit Grün­dung der Orga­ni­sa­tion hat Green­peace auf Akti­ons­for­men gesetzt, die in der Öffent­lich­keit auch als radi­kal ange­se­hen werden.

SPIEGEL: Green­peace gehört inzwi­schen zum Öko-Establishment. Wie wol­len Sie mehr junge Men­schen begeistern?

Nai­doo: Mit jun­gen Men­schen kenne ich mich aus. Ich selbst habe mit 14 mei­nen poli­ti­schen Kampf begon­nen. Außer­dem will ich auch reli­giöse Akti­vis­ten stär­ker an uns bin­den. Bei denen gibt es gro­ßen Wider­stand gegen die Zer­stö­rung der Schöp­fung. Und ich will auch die Men­schen im Süden, die heute Armen und Unter­drück­ten, von unse­ren Zie­len überzeugen.

Anmer­kung Kumi Nai­doo: Green­peace geht es bei sei­ner gesam­ten Arbeit darum, die Schöp­fung zu bewah­ren und unsere Lebens­grund­la­gen zu erhal­ten. Die­ses Ziel ver­bin­det uns auch mit Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten aller Kon­fes­sio­nen. Men­schen davon zu über­zeu­gen, unsere Lebens­grund­la­gen zu schüt­zen könnte dabei auch reli­giöse Men­schen an uns binden.

SPIEGEL: Die Gen­tech­nik hat den Gol­de­nen Reis her­vor­ge­bracht, der unter­er­nährte Kin­der mit Vit­amin A ver­sor­gen und vor der Erblin­dung bewah­ren könnte. Was hat ein afri­ka­ni­scher Green­peace–Chef dage­gen?

Nai­doo: Über diese Frage habe ich ein gan­zes Wochen­ende lang nach­ge­dacht. Ich habe keine natur­wis­sen­schaft­li­che Erfah­rung, und des­halb will ich auch alle unsere wis­sen­schaft­li­chen Posi­tio­nen noch ein­mal unter­su­chen. Wir müs­sen sicher­ge­hen, keine neue, rich­tige Ent­wick­lung zu verpassen.

Anmer­kung Kumi Nai­doo: Green­peace über­denkt seit sei­ner Grün­dung seine Posi­tio­nen stän­dig, zieht neue wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse heran und bewer­tet vor die­sem Hin­ter­grund alle The­men immer wie­der neu. Unser neuer inter­na­tio­na­ler Geschäfts­füh­rer geht somit genau den rich­ti­gen Weg. Gen-Pflanzen sind eine Bedro­hung für die Umwelt und ber­gen deut­li­che Risi­ken für den Men­schen. Durch die Über­tra­gung eines Gens in einen ande­ren Orga­nis­mus wird mehr als ein Merk­mal ver­än­dert. Nie­mand weiß und kann steu­ern, zu wel­chen Wech­sel­wir­kun­gen es mit ande­ren Genen kommt. Uner­wünschte Effekte sind die mög­li­che Folge.

Durch die Paten­tie­rung in Folge einer gen­tech­ni­schen Ver­än­de­rung gera­ten Land­wirte in eine zusätz­li­che Abhän­gig­keit von inter­na­tio­na­len Che­mie­kon­zer­nen. Der soge­nannte Yel­low Rice ist nicht die rich­tige Ant­wort auf Man­gel­er­näh­rung. Die Ent­wick­lung kos­tet Mil­lio­nen, die für Pro­gramme aus­ge­ge­ben wer­den könn­ten, die tat­säch­lich funk­tio­nie­ren und keine Umwelt­ri­si­ken haben. Auch Exper­ten, die zu Vit­amin A-Mangel arbei­ten, sehen in dem Yel­low Rice keine Lösung.

SPIEGEL: Wür­den Sie für den Kli­ma­wan­del sogar den Neu­bau von Atom­kraft­wer­ken propagieren?

Nai­doo: Alles ist in Bewe­gung. Wenn es etwa für die Spei­che­rung von Koh­len­di­oxid plötz­lich gute Gründe gibt, wol­len wir uns nicht blind stel­len. Bei der Atom­en­er­gie halte ich eine Kehrt­wende aber für extrem unwahr­schein­lich. Sie ist und bleibt eine Gefahr für die Menschheit.

Anmer­kung Kumi Nai­doo: Auch bei der Spei­che­rung von CO2 aus Koh­le­kraft­wer­ken im Unter­grund (CCS) gilt, dass wir unsere Posi­tion stän­dig über­prü­fen und neu bewer­ten. Die Fak­ten spre­chen aller­dings klar gegen diese Tech­no­lo­gie. Sie packt das Pro­blem weder bei der Wur­zel, noch ist sie eine Lösung für die Kli­ma­krise. Um einen wesent­li­chen Bei­trag zum Kli­ma­schutz leis­ten zu kön­nen, kommt die soge­nannte CCS-Technik zu spät. Sie wird frü­hes­tens im Jahr 2030 kom­mer­zi­ell ein­satz­be­reit sein — bis zu die­sem Zeit­punkt müs­sen wir jedoch die Treib­haus­gase schon dras­tisch redu­ziert haben. Außer­dem ver­braucht die CCS-Technik erheblch mehr Res­sour­cen, da die Abschei­dung und Spei­che­rung des Gases ener­gie­auf­wen­dig ist. Sie ist damit inef­fi­zi­ent und zu teuer. Erneu­er­bare Ener­gien wie die Erzeu­gung von Wind­en­er­gie auf See wer­den im Jahr 2030 bil­li­ger als CCS sein. Außer­dem ver­la­gert die CCS-Technik die Risi­ken nur auf zukünf­tige Generationen.

Wie Kumi Nai­doo im Inter­view schon sagte, ist und bleibt Atom­kraft eine Gefahr für die Mensch­heit. Die Green­peace–Posi­tion zu Atom­kraft ist damit sehr klar: Green­peace rich­tet sich gegen die wei­tere zivile Nut­zung von Atom­en­er­gie. Die Green­peace–Stu­die Energy [R]evolution zeigt, dass die Ener­gie­ver­sor­gung auch mit einem schnel­le­ren Aus­stieg aus der Atom­en­er­gie mög­lich ist.

Kli­cken Sie hier, um das voll­stän­dige Inter­view zu lesen.

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