Posts Tagged ‘Dokumentation’

Schadet Fleischkonsum dem Klima?

Es gibt Orga­ni­sa­tio­nen, die behaup­ten, dass Tier­nut­zung haupt­ver­ant­wort­lich für den Kli­ma­wan­del ist. Was ist an die­ser These dran?

Nichts wird die Chance auf ein Über­le­ben auf der Erde so stei­gern wie der Schritt zur vege­ta­ri­schen Ernäh­rung.“ Das hat der über­zeugte Vege­ta­rier Albert Ein­stein ein­mal gesagt. Er ahnte nicht, wie aktu­ell seine Erkennt­nis ein­mal sein würde. Denn die Tier­hal­tung trägt sehr stark zum vom Men­schen gemach­ten Treib­haus­ef­fekt bei. Da einige extreme Sze­na­rien zu dem Ergeb­nis kom­men, es könne infolge der glo­ba­len Erwär­mung zu furcht­ba­ren Kata­stro­phen (Dürre, Flut etc.) mit vie­len Mil­lio­nen Toten kom­men, durch die unser Pla­net in wei­ten Tei­len unbe­wohn­bar wird, ist der Zusam­men­hang zum Über­le­ben auf der Erde durch­aus gegeben.

Kühe

Kühe

Sehr ein­drucks­voll macht die unter dem Titel „Der lange Schat­ten der Tier­zucht“ ver­öf­fent­lichte Doku­men­ta­tion der Welt­er­näh­rungs­or­ga­ni­sa­tion FAO deut­lich, wie sehr unser Kon­sum von Fleisch und ande­ren Tier­pro­duk­ten Klima und Umwelt schä­digt. Danach stam­men aus der Land­wirt­schaft glo­bal 18 Pro­zent aller Emis­sio­nen des Treib­haus­ga­ses CO2. Das ist mehr, als welt­weit der gesamte Ver­kehr erzeugt. Dabei sind alle Nutz­tiere – Rin­der, Schafe, Schweine und Geflü­gel – berück­sich­tigt, ebenso wie der indus­tria­li­sierte Getrei­de­an­bau. In Wahr­heit fällt in die­sem Sek­tor eine ganze Reihe von Treib­haus­ga­sen an, vor allem Methan und Lach­gas. Ihre Wir­kung wurde auf CO2-Äquivalente umge­rech­net. In Deutsch­land ent­fal­len knapp zehn Pro­zent aller Emis­sio­nen auf den Agrarsektor.

Unge­bremste Fleischeslust

Die Vieh­zucht ist der größte Land­nut­zer der Erde. Sie bean­sprucht 30 Pro­zent ihrer Land­ober­flä­che und 70 Pro­zent des land­wirt­schaft­lich genutz­ten Lan­des. Von der gesam­ten Acker­flä­che die­nen 33 Pro­zent allein der Fut­ter­mit­tel­er­zeu­gung. Weil die Welt trotz Hun­ger und Armut unterm Strich immer rei­cher wird, steigt der Fleisch­kon­sum rasant. Die FAO pro­gnos­ti­ziert eine Zunahme der Fleisch­pro­duk­tion von der­zeit 229 Mil­lio­nen auf 465 Mil­lio­nen Ton­nen im Jahr 2050 und für die Milch­pro­duk­tion von 580 Mil­lio­nen auf 1043 Mil­lio­nen Tonnen.

Für die­sen Luxus fal­len welt­weit die Wäl­der, ins­be­son­dere in den Tro­pen. Im bra­si­lia­ni­schen Ama­zo­nas­ge­biet etwa ver­schwand bis heute knapp die Hälfte der ursprüng­li­chen Wald­be­de­ckung. Von den abge­holz­ten Flä­chen wer­den 70 Pro­zent als Weide genutzt, der Anbau von Fut­ter­mit­teln bean­sprucht einen gro­ßen Teil des Res­tes. Oft zwin­gen über­höhte Abgra­sung, Boden­ver­dich­tung und Ero­sion zur Auf­gabe der Wei­den. Dann wird als Ersatz neuer Regen­wald gero­det. Unge­fähr 20 Pro­zent des welt­wei­ten Wei­de­lan­des wur­den auf diese Weise bereits zerstört.

Die Vieh­zucht setzt neun Pro­zent des anthro­po­ge­nen Koh­len­di­oxids frei, 37 Pro­zent des Methans sowie 65 Pro­zent der Stick­oxide. Letz­tere stam­men aus den reich­lich ein­ge­setz­ten Dün­ge­mit­teln. Die Tiere erzeu­gen natur­ge­mäß rie­sige Men­gen an Gülle. Dar­aus ent­fleucht mas­sen­haft Ammo­niak in die Luft, das stark zur Ver­saue­rung des Regens und damit der Wald­bö­den und Gewäs­ser bei­trägt. In den USA erzeugt die lan­des­weit größte Schwei­ne­zucht­an­lage mehr Mist als die Metro­pole Los Ange­les an Müll.

Wert­vol­les Getreide lan­det in den Trö­gen der Nutztiere

Die Liste der huma­ni­tä­ren und Umwelt­sün­den durch die Flei­sches­lust geht noch wei­ter: Welt­weit hun­gern über 852 Mil­lio­nen Men­schen, trotz einer welt­wei­ten Getrei­de­ernte von 1,57 Mil­li­ar­den Ton­nen (Daten von 2006). Bei einer Welt­be­völ­ke­rung von rund 6,6 Mil­li­ar­den gäbe es rein rech­ne­risch für jeden Men­schen pro Tag 652 Gramm Getreide. Doch knapp die Hälfte der glo­ba­len Getrei­de­ernte und 90 Pro­zent der jähr­li­chen Erträge von Soja­boh­nen lan­den in den Trö­gen der welt­weit 20 Mil­li­ar­den Nutztiere.

Den größ­ten Anteil an der desas­trö­sen Bilanz haben die Rin­der, sie sind – Ach­tung, Kalauer! – die größ­ten „Umwelt­schweine“. Etwa 1,5 Mil­li­ar­den davon gibt es welt­weit. Der US-Ökologe Jeremy Rif­kin schreibt in sei­nem Buch „Das Impe­rium der Rin­der“: „Das Rind, das einst als hei­li­ges Frucht­bar­keits­sym­bol ver­ehrt und in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit als Wohl­stands­sym­bol gefei­ert wurde, ver­gif­tet heute die Atmo­sphäre und die Lebens­räume unse­res Pla­ne­ten.“ Und der Münch­ner Evo­lu­ti­ons­bio­loge Josef Reich­holf kon­sta­tiert, die Wie­der­käuer seien durch ihre Sym­biose mit dem Men­schen die „domi­nante Lebens­form“. Ihnen gehöre das meiste Land, der Mensch ver­sorge sie umfas­send und opfere einen Gut­teil sei­ner eige­nen Lebens­mög­lich­kei­ten, um sie zu erhal­ten. Die Erde sei also ein »Pla­net der Rinder«.

Kühe rülp­sen Methan

Die Krux ist, dass in ihren Mägen Methan ent­steht, und zwar 75 Kilo­gramm pro Tier und Jahr. Ins­ge­samt wer­den allein durch die Rülp­ser und Fürze der Rind­vie­cher über 112 Mil­lio­nen Ton­nen des Gases emit­tiert, das eine 23-mal grö­ßere Treib­haus­wir­kung hat als CO2. Hinzu kom­men laut FAO jähr­lich 2,4 Mil­li­ar­den Ton­nen CO2 durch die Rodung von Wäl­dern für Wei­den und Acker­land. Jeremy Rif­kin rech­nete ein­mal vor, dass bereits in den 80er– Jah­ren für jeden in den USA ver­speis­ten Ham­bur­ger sechs Qua­drat­me­ter Urwald in Wei­de­flä­che umge­wan­delt wurden.

Tat­säch­lich braucht man sie­ben bis 16 Kilo­gramm Getreide, um ein Kilo­gramm Fleisch zu erzeu­gen. Auf der dafür benö­tig­ten Flä­che lie­ßen sich im sel­ben Zeit­raum 200 Kilo­gramm Toma­ten oder 160 Kilo­gramm Kar­tof­feln ern­ten. Fleisch­ver­zehr ist also die effek­tivste Form der Nah­rungs­mit­tel­ver­nich­tung, und er ver­schwen­det auch Ener­gie. Bei der Erzeu­gung eines Fleisch­laib­chens ent­ste­hen bei­spiels­weise 796 Gramm CO2, bei einem Getrei­de­laib­chen (Getrei­de­brat­ling) nur 63 Gramm. Der Genuss der fleisch­li­chen Brat­linge beein­träch­tigt das Klima also 13-mal stärker.

Anreiz zur vege­ta­ri­schen Ernährung

Haupt­ver­ant­wort­lich für den Kli­ma­wan­del ist die Tier­nut­zung damit zwar nicht, doch sie trägt einen gro­ßen Teil zur glo­ba­len Erwär­mung bei. Per­sön­lich habe ich dar­aus die Kon­se­quen­zen gezo­gen. Meine Frau war aus ethi­schen Grün­den schon immer Vege­ta­rie­rin. Ich schloss mich dem aus ökolo­gi­schen Erwä­gun­gen an. Viel­leicht bestär­ken die hier genann­ten Fak­ten den einen oder ande­ren darin, den glei­chen Ent­schluss zu fassen.

Quelle

Verwandte Artikel

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Posted in Umwelt | No Comments »

 Page 1 of 2  1  2 »

gesundheit
Gesund­heit
 tierschutz
Tier­schutz
 ethik
Ethik
 fleischverzicht
Fleisch­ver­zicht
 vorbildfunktion
Vor­bild
 verantwortung
Ver­ant­wor­tung
 klima
Klima

Get A C T I V E — click here and see more