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Guatemala erklärt den Hunger-Notstand

guatemalaRund 400.000 Men­schen lei­den nach Anga­ben der gua­te­mal­te­ki­schen Regie­rung an Hun­ger, mehr als 450 seien in den letz­ten Mona­ten bereits ver­hun­gert. Prä­si­dent Colom hat die Welt­ge­mein­schaft um Lebens­mit­tel­hilfe gebeten.

Die Regie­rung von Gua­te­mala hat am Mitt­woch (09.09.2009) den Hun­gers­not­stand aus­ge­ru­fen. Prä­si­dent Álvaro Colom rief die inter­na­tio­nale Gemein­schaft im Fern­se­hen dazu auf, Gua­te­mala mit Lebens­mit­tel­hil­fen zu unter­stüt­zen. Nach Regie­rungs­an­ga­ben lei­den in dem zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Land rund 24.000 Fami­lien an Hun­ger, mehr als 400.000 seien davon bedroht. Außer­dem räumte Prä­si­dent Colom ein, min­des­tens 462 Men­schen seien in die­sem Jahr bereits ver­hun­gert, dar­un­ter 54 Kin­der. Offi­zi­ell vom Vize­mi­nis­ter bestä­tigt sind 17 Tote, andere Regierungs-Quellen spre­chen von 20. Laut UNICEF, dem Kin­der­hilfs­werk der Ver­ein­ten Natio­nen, ist in Gua­te­mala jedes zweite Kind unter fünf Jah­ren unter­er­nährt, das ist die höchste Quote Latein­ame­ri­kas und die viert­höchste der Welt. Das UN-Welternährungsprogramm hatte am Diens­tag mit der Ver­tei­lung von 20 Ton­nen Lebens­mit­teln begonnen.

“His­to­ri­sche Tragödie”

Colom sprach von einer “his­to­ri­sche Tra­gö­die”. Schuld sei die durch den Kli­ma­wan­del ver­ur­sachte Tro­cken­heit in sie­ben von ins­ge­samt 22 Depart­ments des mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Lan­des. Dabei seien über ein Drit­tel der Mais­ernte und über die Hälfte der Bohnen-Ernte – beide Haupt­nah­rungs­mit­tel in Zen­tral­ame­rika — zer­stört wor­den. Die EU-Kommission ließ ver­lau­ten, unter den Mit­glieds­staa­ten würde der­zeit über ein Nothilfe-Paket in Höhe von 42,1 Mil­lio­nen Dol­lar ver­han­delt. Ein Teil des Gel­des solle direkt an Klein­bau­ern flie­ßen, die im Rah­men des Natio­na­len Nah­rungs­pro­gram­mes (PNA) bereits seit 2006 unter­stützt werden.

Prä­si­dent Colom sprach der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft sei­nen Dank aus. Er betonte aber auch, dass die Krise ohne natio­nale Pro­gramme noch schlim­mere Aus­wir­kun­gen hätte: “Lebens­mit­tel sind da”, so Colom, “doch ver­fügt die Bevöl­ke­rung nicht über die Mit­tel, sie zu erwer­ben”.  Schon Anfang Sep­tem­ber hatte der Bericht­er­stat­ter der UN, Oli­ver de Schut­ter, die dro­hende Krise in Gua­te­mala als alar­mie­rend bezeich­net. Die Regie­rung in Guatemala-Stadt hatte Berichte über eine Hun­gers­not damals noch zurückgewiesen.

“Dem­ago­gi­sche Maskerade”

Nicht-Regierungsorganisationen kri­ti­sier­ten die Regie­rung Colom inzwi­schen und war­fen ihr eine “dem­ago­gi­sche Mas­ke­rade” vor: Die Regie­rung gebe die Ver­ant­wor­tung nach außen ab: “Die struk­tu­rel­len Pro­bleme im Land schei­nen ihr gleich­gül­tig zu sein!”, sagt  Hel­mer Velás­quez, Direk­tor der Koor­di­na­ti­ons­stelle für Nicht-Regierungsorganisationen und Koope­ra­ti­ven (Congcoop).

Beson­ders betrof­fen von der Hun­gers­not sind die in Gua­te­mala leben­den Maya. Die größte Ureinwohner-Organisation des Lan­des, CONIC, machte die Biosprit-Produktion für die Hun­ger­krise ver­ant­wort­lich. “Der Staat gibt dem Anbau von Palmöl und Zucker­rohr (für Bio­sprit) erste Prio­ri­tät, wäh­rend er den indi­ge­nen Völ­kern das Recht auf eige­nes Land ver­wei­gert”, sagte CONIC-Mitbegründer Juan Tiney der Nach­rich­ten­agen­tur epd. Nach sei­nen Anga­ben wur­den in die­sem Jahr bereits 20 Dorf­ge­mein­schaf­ten ver­trie­ben, um Platz für Groß­plan­ta­gen zu schaf­fen. (ahe/dpala/kna/epd/dpa)

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