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Fleischverbot in Gent

Der Tag regt zu Dis­kus­sio­nen an, sagt Schul­lei­te­rin Van Nevel

In der bel­gi­schen Stadt Gent ist don­ners­tags immer Vege­ta­rier­tag. Auch in den Schul­kan­ti­nen sol­len die Kin­der ler­nen, Geschmack an Gemüse zu fin­den. Nicht nur der Gesund­heit, son­dern auch dem Klima zuliebe.

Ein Don­ners­tag­mit­tag an der Frei­net­school De Boom­gard, eine Grund­schule in Gent. 226 Kin­der gehen hier zur Schule. In der Kan­tine wird das Mit­tag­es­sen aus­ge­ge­ben – wie jeden Don­ners­tag, ohne Fleisch. “Heute ist ein vege­ta­ri­scher Tag, heute essen alle vege­ta­risch. Man darf kein Fleisch mit­neh­men”, sagt der elf­jäh­rige Jakob Preuss.

Seit Sep­tem­ber 2009 gibt es an allen 35 Schul­kan­ti­nen in Gent nur vege­ta­ri­sche Gerichte. Soja und Tofu statt Spa­ghetti Bolo­gnese? Jakobs Mit­schü­ler Arend hat auch zu Hause nichts dage­gen. “Wir essen öfter vege­ta­risch als Fleisch­ge­richte. Und vege­ta­ri­sche Bur­ger kön­nen auch ab und zu ganz lecker sein.”

15.000 Liter Was­ser für ein Kilo Fleisch

Gemüse ist nicht nur gesund, son­dern schmeckt auch gut. Das sol­len schon die Kleins­ten ler­nen. So will die Stadt Gent dem Über­ge­wicht von Kin­dern vor­beu­gen. Doch den Initia­to­ren des Veggie-Tages geht es nicht nur um eine gesün­dere Ernäh­rung. Für die Her­stel­lung von einem Kilo Rind­fleisch braucht man geschätzte 15.000 Liter Was­ser. Und: Nach Anga­ben der UNO sind die welt­wei­ten Tier­her­den für min­des­tens ein Fünf­tel der Treib­haus­gas­emis­sio­nen ver­ant­wort­lich. Weni­ger Fleisch­kon­sum bedeu­tet also auch Res­sour­cen– und Kli­ma­schutz. Das weiß auch der 11-jährige Jakob. Er macht sich Sor­gen um die Zukunft. “Wenn wir so wei­ter­ma­chen, wird es die Erde in ein paar Hun­dert Jah­ren nicht mehr geben.” Er selbst ver­sucht des­halb, viel Fahr­rad zu fah­ren. Und eben weni­ger Fleisch zu essen. “Sonst wird die Erde ganz kaputt gemacht und viele Tiere sterben.”

1800 Tiere pro Belgier

Ein durch­schnitt­li­cher Bel­gier ver­speist in sei­nem Leben rund 1800 Tiere. Schon mit einem fleisch­freien Tag pro Woche könn­ten 250 Tiere gespart wer­den. So steht es in der Infor­ma­ti­ons­bro­schüre, die die Schu­len von der Stadt Gent erhal­ten. Seit der Ein­füh­rung des vege­ta­ri­schen Tages wird an der Boomgard-Grundschule auch im Unter­richt noch mehr über Ernäh­rung – und beson­ders über Fleisch­kon­sum – gespro­chen. Mehr als 90 Pro­zent der Eltern unter­stüt­zen den Veggie-Tag, erzählt Schul­lei­te­rin Caro­line Van Nevel. “Es ist gut, dass wir die­sen einen ver­pflich­ten­den Tag haben, aber es wäre nicht gut, wenn wir das für alle und an jedem Tag zur Pflicht machen wür­den.” Essen ist schließ­lich eine sehr per­sön­li­che Ange­le­gen­heit für die Fami­lien, sagt sie. Und so führt schon der eine fleisch­freie Tag zu Dis­kus­sio­nen daheim. “Die Kin­der kom­men nach Hause und sagen: Mor­gen esse ich kein Fleisch. Dann sagt der Vater viel­leicht: Nicht mit mir in mei­nem Haus — wir essen, was wir wol­len.” Aber das sei ja auch in Ord­nung, sagt Van Nevel.

Mein Tel­ler gehört mir

Wich­tig sei, dass über­haupt über die Fol­gen von Fleisch­kon­sum nach­ge­dacht würde, meint auch Tobias Leenaert. Er arbei­tet für EVA, die bel­gi­sche Vege­ta­rier­or­ga­ni­sa­tion, die die Idee zum vege­ta­ri­schen Don­ners­tag hatte. Anders als das Fah­ren übergro­ßer Gelän­de­wa­gen gilt hoher Fleisch­kon­sum noch als gesell­schafts­fä­hig, es wird nicht sozial geäch­tet. Doch auch das werde sich ändern, sagt Leenaert. Alles eine Frage der Zeit. “Noch sagen wir, es ist meine Ange­le­gen­heit und mein Tel­ler, du hältst dich da raus. Aber das ist schlicht unso­zial. Es wird immer offen­sicht­li­cher, dass unser Ess­ver­hal­ten Fol­gen hat. Wenn die Men­schen das ver­ste­hen – und das wer­den sie – wer­den sie ihr Ess­ver­hal­ten auch ändern.”

Der “Don­der­dag, Veg­gie­Dag”, wie der vege­ta­ri­sche Don­ners­tag auf Flä­misch heißt, stößt auf gro­ßes Inter­esse — aus der gan­zen Welt rufen Jour­na­lis­ten und Poli­ti­ker in Gent an, um Nähe­res zu erfah­ren. In Bel­gien sind schon zwei wei­tere Städte dem Bei­spiel gefolgt und in Kolum­bien wird über­legt, einen wöchent­li­chen Veggie-Tag im gan­zen Land ein­zu­füh­ren. Pop­star Paul McCart­ney macht bei öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen Wer­bung für die Gen­ter Initia­tive. Und auch bei den meis­ten Ein­woh­nern von Gent kommt die Kam­pa­gne gut an.

Restau­rants zie­hen mit

Auch in vie­len Gen­ter Restau­rants gibt es don­ners­tags mitt­ler­weile eine sepa­rate vege­ta­ri­sche Spei­se­karte. Und die Stadt ist stolz dar­auf, dass sie angeb­lich die höchste Dichte an kom­plett vege­ta­ri­schen Restau­rants pro Kopf in ganz Europa auf­wei­sen kann. Im “Green­way”, einem der 94 vege­ta­ri­schen Restau­rants, bie­tet Inha­ber Paul Flo­ri­zoone vege­ta­ri­sche Koch­kurse an. “Letz­tes Jahr waren viele ältere Leute dabei, die sehr inter­es­siert waren. Sie woll­ten unbe­dingt vege­ta­risch kochen, wuss­ten aber nicht wie.” Die Bot­schaft der Vege­ta­rier sei ange­kom­men, und in Flan­dern glaub­ten die Men­schen daran. “Natür­lich wer­den jetzt nicht alle zu Vege­ta­ri­ern, aber so lang­sam ändert sich die Men­ta­li­tät. Das spürt man.”

An der Boomgard-Grundschule wächst die jün­gere Gene­ra­tion wie selbst­ver­ständ­lich mit fleisch­freien Gerich­ten auf. Und so hat Jakob eine klare Vision, in wel­cher Welt er ein­mal leben will: “Alle Vege­ta­rier, aber bei ganz gro­ßen Fes­ten schon mal Fleisch, aber wenig, und keine Autos mehr und keine gro­ßen Fabriken.”

Gele­sen bei: Deut­sche Welle

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Feedback von Lesern

2 Kommentare für “Fleischverbot in Gent”

  1. Esther Stierlin sagt:

    Ja das ist ein­fach gee­nial!! Ein sehr gros­ses Lob für Gent! Ich hoffe und denke, dass das zukünf­tig viele Städte eben­falls durch­füh­ren wer­den! Hof­fent­lich auch in der klei­nen Schweiz, wo doch sooo viiiiele Tiere ster­ben und ihr gan­zes Leben lang in dunk­len Stäl­len aus­har­ren müs­sen nur wegen den ego­is­ti­schen Men­schen! Ich freue mich auf den Vegi-Tag in der Schweiz!!

  2. Dennis sagt:

    Tolle Initia­tive, sollte man auch in Deutsch­land mal aus­pro­bie­ren. Selbst wenn sich die Aktion nur auf Kan­ti­nen, etc. beschränkt ist das schon ein Erfolg.

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