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‘Die vegetarische Lebensweise ... ist möglicherweise die wichtigste Lebensstiländerung zur Verringerung der Erderwärmung'

Die vege­ta­ri­sche Lebens­weise … ist mög­li­cher­weise die wich­tigste Lebens­sti­län­de­rung zur Ver­rin­ge­rung der Erderwärmung’

Das öffent­li­che Inter­esse am Vege­ta­ris­mus wächst, und immer mehr bekannte Per­sön­lich­kei­ten wer­ben für die­sen umwelt­scho­nen­den und segens­rei­chen Lebens­stil. Im Novem­ber 2009 for­derte Bri­gitte Bar­dot einen Euro­päi­schen Vege­ta­ri­schen Tag. Einige Wochen spä­ter war­ben Paul McCart­ney und Dr. Rajen­dra K. Pach­auri im Euro­päi­schen Par­la­ment für den Vege­ta­ris­mus als wir­kungs­vollste Waffe im Kampf gegen die Kli­ma­än­de­rung: “Weni­ger Fleisch = weni­ger Hitze.” Zur Ein­däm­mung von CO2-Emissionen emp­fah­len sie die Ein­füh­rung eines fleisch­lo­sen Tages pro Woche.

Ein wei­te­rer Beweis für wach­sen­des Inter­esse an der vege­ta­ri­schen Lebens­weise war der große Erfolg der „Inter­na­tio­na­len Vege­ta­ri­schen Woche 2009“, an der sich Orga­ni­sa­tio­nen aus vie­len Län­dern betei­lig­ten. Wir woll­ten mehr über die fleisch­lose Woche wis­sen und frag­ten Mateus Men­des, der für die Kam­pa­gne so wir­kungs­voll gewor­ben hat.

EVANA: Mateus, Sie waren sicher sehr zufrie­den mit dem Erfolg der „Inter­na­tio­na­len Vege­ta­ri­schen Woche 2009“. Haben Sie einen so bemer­kens­wer­ten inter­na­tio­na­len Erfolg erwartet?

Mateus Men­des: Sicher freue ich mich. Es ist schön zu sehen, dass die Sache funk­tio­niert. Als alles anfing erwar­tete ich zwar eine gewisse Betei­li­gung, aber es stimmt schon, dass sich alles viel bes­ser ent­wi­ckelte als gedacht.

Frage: Was ist das Ziel der Vege­ta­ri­schen Woche?

Ant­wort: Es hat schon natio­nale und regio­nale vege­ta­ri­sche Wochen in der Ver­gan­gen­heit gege­ben, die natio­nal oder lokal orga­ni­siert wur­den. Da haben wir uns gedacht: Warum tun wir uns nicht zusam­men und hel­fen ein­an­der? Das Ziel die­ser ‘Inter­na­tio­na­len Vege­ta­ri­schen Woche’ ist daher haupt­säch­lich, Ideen und Res­sour­cen zu tei­len, so dass viele Organ­sa­tio­nen unge­fähr zur glei­chen Zeit für den vege­ta­ri­schen Lebens­stil wer­ben kön­nen. Durch Koope­ra­tion errei­chen wir viel mehr als jeder ein­zelne allein, und das auch noch mit weni­ger Aufwand.

Frage: Wie orga­ni­sie­ren Sie diese Vege­ta­ri­sche Woche, an der sich so viele Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen beteiligen?

Ant­wort: Die Kam­pa­gne besteht aus drei Ebe­nen: Inter­na­tio­nal, natio­nal und regio­nal.
Inter­na­tio­nal tei­len wir haupt­säch­lich Ideen und Wer­be­mit­tel. Das meiste, wenn nicht sogar alles, wird für die Web­site der Vege­ta­ri­schen Woche ver­wen­det.
Auf der natio­na­len Ebene hängt alles von den jewei­li­gen Orga­ni­sa­tio­nen ab. Sie pas­sen das Wer­be­ma­te­rial ihren eige­nen Erfor­der­nis­sen an, über­set­zen Texte und wer­ben für die Vege­ta­ri­sche Woche in ihren Län­dern.
Auf der loka­len Ebene sind Grup­pen und Ver­bände, Fir­men und Ein­zel­per­so­nen ver­ant­wort­lich für die all­ge­meine Orga­ni­sa­tion und Akti­vi­tä­ten wäh­rend der Woche.

Frage: Wie­viele Orga­ni­sa­tio­nen haben teil­ge­nom­men und in wie­vie­len Ländern?

Ant­wort: Im Jahr 2009 erhiel­ten wir Berichte von Aktio­nen in 12 ver­schie­de­nen Län­dern. Wir konn­ten aber nicht alle inter­na­tio­na­len Ereig­nisse notie­ren — es hat sicher Hun­derte von ihnen gege­ben. Nach unse­ren Infor­ma­tio­nen waren Por­tu­gal, Ita­lien und Neu­see­land ganz schön beschäftigt.

Frage: Ist die Teil­nahme nur für vege­ta­ri­sche Orga­ni­sa­tio­nen vor­ge­se­hen oder kön­nen auch andere Grup­pen mitmachen?

Ant­wort: Jeder kann hel­fen und wird dazu ermun­tert. Wir müs­sen nur sehen, was am bes­ten passt. Mit­ar­beit auf dem inter­na­tio­na­len Niveau ist vor allem geeig­net für erfah­rene Akti­vis­ten oder Orga­ni­sa­tio­nen, die bei der Beschaf­fung von Wer­be­ma­te­rial hel­fen kön­nen. Die natio­nale Ebene ist pas­sen­der für Orga­ni­sa­tio­nen, die die vor­han­de­nen Wer­be­mit­tel für die Vege­ta­ri­sche Woche in ihren jewei­li­gen Ländern.nach Bedarf anpas­sen möch­ten. Abge­se­hen davon kann wirk­lich jeder mit­ma­chen und das vor­han­dene Wer­be­ma­te­rial nut­zen oder auch eige­nes pro­du­zie­ren, Aktio­nen orga­ni­sie­ren, Infor­ma­tio­nen ver­tei­len oder auf andere Weise und nach Belie­ben zur För­de­rung des vege­ta­ri­schen Lebens­stils bei­tra­gen. So kommt die Vege­ta­ri­sche Woche in Schwung.

Frage: Wel­che Unter­stüt­zung und Wer­be­mit­tel (Pla­kate, Ent­würfe, Auf­kle­ber usw.) kön­nen Sie zur Ver­fü­gung stellen?

Ant­wort: Im Moment bie­ten wir Ent­würfe für Pla­kate, Flug­zet­tel, Pres­se­mel­dun­gen, Ban­ners und ande­res Mate­rial auf der Web­site an. Jeder kann die Ent­würfe her­un­ter­la­den, das Text­ma­te­rial über­set­zen und den eige­nen Bedürf­nis­sen anpas­sen – das ist alles in Ord­nung, so lange es zur För­de­rung des Vege­ta­ris­mus ver­wen­det wird.

Frage: Hat die Lebens­mit­tel­in­dus­trie schon Inter­esse gezeigt und falls nicht: Haben Sie Pläne und Ideen, wie man Fir­men an Bord bringt?

Ant­wort: Ja, viele Fir­men haben sich betei­ligt mit Work­shops, Vor­trä­gen oder auch durch die Gewäh­rung von Rabat­ten. Vor allem Restau­rants zeig­ten ein gro­ßes Inter­esse. Ich bin davon über­zeugt, dass noch viel mehr Unter­neh­men in den kom­men­den Jah­ren ein­stei­gen wer­den. Schließ­lich ist dies auch Wer­bung für ihre eige­nen Pro­dukte und Dienstleistungen.

Frage: Die­ses Pro­jekt soll die Öffent­lich­keit anspre­chen und sich nicht, wie so viele andere, auf den Kreis von Vege­ta­ri­ern kon­zen­trie­ren. Was sind die attrak­tivs­ten und inter­es­san­tes­ten Aspekte für Fleischesser?

Ant­wort: Leute mögen Sachen, die die Rou­tine auf­lo­ckern. Die Vege­ta­ri­sche Woche ist eine Mög­lich­keit, mal etwas ande­res zu ver­su­chen. Zum Bei­spiel boten viele Restau­rants eine Kam­pa­gne an “Bringt einen Fleisch­es­ser mit und er kann eine vege­ta­ri­schen Mahl­zeit für 1 Euro essen”. Durch sol­che Aktio­nen pro­bie­ren viele Men­schen ihre aller­erste vege­ta­ri­sche Mahl­zeit über­haupt. Dies ist eine Gele­gen­heit für etwas Neues und kann auch hel­fen, eine even­tu­ell noch vor­han­dene Abnei­gung zu überwinden.

Frage: Hal­ten Sie es für mög­lich, dass der bedau­er­li­che Kopenhagen-Reinfall zu einem Antrieb wer­den kann, sich bei der Orga­ni­sa­tion künf­ti­ger Vege­ta­ri­scher Wochen noch mehr anzustrengen?

Ant­wort: Die vege­ta­ri­sche Lebens­weise ist viel umwelt­freund­li­cher. Sie schnei­det ein Glied aus der Nah­rungs­kette und ist mög­li­cher­weise die wich­tigste Lebens­sti­län­de­rung zur Ver­rin­ge­rung der Erd­er­wär­mung. Und dabei ist die­ser Schritt so viel ein­fa­cher als andere Mass­nah­men, zum Bei­spiel das Auf­ge­ben von Autos. Der Rein­fall von Kopen­ha­gen ist also tat­säch­lich für uns ein Motiv, unsere Anstren­gun­gen zu verdoppeln.

Frage: Was sind Ihre Pläne und Hoff­nun­gen für die Vege­ta­ri­sche Woche 2010?

Ant­wort: Die Vor­be­rei­tun­gen lau­fen schon ziem­lich gut. Viele Orga­ni­sa­tio­nen haben uns mit­ge­teilt, dass sie sich für die Vege­ta­ri­sche Woche ein­set­zen wer­den, und viele bekannte Per­sön­lich­kei­ten haben uns ihre Unter­stüt­zung zuge­sagt. Ich bin daher über­zeugt, dass die Vege­ta­ri­sche Woche 2010 sogar noch bes­ser wird als die vor­her­ge­hende — sie ent­wi­ckelt schon jetzt ziem­lich viel Dynamik.

Frage: Sie sind sehr invol­viert im Por­tu­guese Vege­ta­rian Centre (Por­tu­gie­si­sches Vege­ta­ri­sches Zen­trum), in dem viele Akti­vi­tä­ten wäh­rend der Vege­ta­ri­schen Woche orga­ni­siert wer­den. Was sind die Prio­ri­tä­ten die­ser Gruppe?

Ant­wort: Das Zen­trum ist eine sehr aktive Orga­ni­sa­tion. Das wich­tigste Arbeits– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel ist die Web­site. Sie wird fast täg­lich aktua­li­siert und bie­tet eine sehr umfang­rei­che Quelle für Rezepte, Lis­ten von Restau­rants and fast alle ande­ren für Vege­ta­rier inter­es­san­ten Infor­ma­tio­nen. Das Zen­trum för­dert auch regel­mäs­sig eine Reihe von Kam­pa­gnen, ein­schließ­lich der Vege­ta­ri­schen Woche.
Für 2010 gibt es ein wich­ti­ges Pro­jekt, näm­lich eine „aka­de­mi­sche Aus­zeich­nung“ mit einem 500 Euro Preis für eine aus­ser­ge­wöhn­li­che aka­de­mi­sche Arbeit über den vege­ta­ri­schen Lebens­stil.
Außer­dem för­dern wir den Vege­ta­ris­mus in Por­tu­gal, denn unser Land ist im Moment noch keine beson­ders veggie-freundliche Nation. Aller­dings ver­bes­sert sich die Situa­tion in einem ein­drucks­vol­len Tempo. Die Zahl vege­ta­ri­scher Restau­rants*) hat sich mehr als ver­drei­facht in den letz­ten neun Jah­ren. Wir aktua­li­sie­ren die Liste fast jeden Monat als einen kos­ten­lo­sen Ser­vice für por­tu­gie­si­sche Vege­ta­rier und Touristen.

Frage: Eine letzte Frage: Wie wird sich Ihrer Mei­nung nach die inter­na­tio­nale vege­ta­ri­sche Gemein­schaft in den kom­men­den Jah­ren entwickeln?

Ant­wort: Ich erwarte ziem­lich große Fort­schritte. Obgleich der Fleisch­ver­zehr noch zunimmt, halte ich eine Ände­rung des Lebens­stils für unver­meid­lich. Lei­der ist die Mensch­heit träge – wir ändern uns nicht, wenn wir es tun soll­ten, son­dern nur, wenn wir es müs­sen. Und wir müs­sen eine nach­hal­tige Lebens­weise fin­den. Das kann der Ver­zehr von vega­nem Fleisch aus dem Labor sein oder gar kein Fleisch, aber so wird’s lau­fen müs­sen. Vege­ta­ri­sche Akti­vis­ten haben hier eine wich­tige Rolle zu spie­len und wer­den hel­fen, dass die­ser Wech­sel eher frü­her als als spä­ter stattfindet.

Gele­sen bei: EVANA

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