WWF: «Kinder, esst weniger Fleisch»">Aufruf von Migros und WWF: «Kinder, esst weniger Fleisch»
WWF und Migros rufen Kinder auf, weniger Fleisch zu verzehren – um den Urwald zu retten. Diese Kampagne kommt der Fleischbranche aber in den falschen Hals.
«Iss weniger Fleisch. Rinder und Schweine werden häufig mit Soja gefüttert. Dafür werden grosse Flächen von Tropenwald abgeholzt, um Platz für Sojafelder zu schaffen.» Mit dieser Botschaft ruft der WWF im Bildsammelheft «Sticker Mania» der Migros Kinder zum Schutz des Regenwaldes auf. Das schmeckt dem Schweizer Fleisch-Fachverband jedoch gar nicht: Das Soja-Problem sei in einen falschen Zusammenhang gestellt.
«Für die Schweiz nicht korrekt»
Der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) kann die Empfehlung im Sammelbuch «Sticker Mania» der Migros, weniger Fleisch zu essen, nicht teilen. «Weltwirtschaftlich ist das sicher ein Problem. Es ist auch korrekt, darauf aufmerksam zu machen», sagt Balz Horber, Direktor SFF. Das Problem sei jedoch in einem falschen Zusammenhang gestellt. Laut Horber ist der Schweizer Anteil am Weltkonsum dermassen unbedeutend, dass mit einer Reduktion des Konsums oder gar des Verzichts auf Fleisch nichts erreicht würde. Die Schweiz importiere zudem lediglich 0,16 Prozent der Soja-Weltproduktion zu Tierfutterzwecken. «Global ist die Empfehlung sicher korrekt, für die Schweiz aber kein Thema», sagt Horber abschliessend. Nicht vergessen dürfe man, dass Fleisch zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre.
Kanton Freiburg mit Soja bepflanzt
«Dieses Thema betrifft durchaus auch die Schweiz. Der Anteil des importierten Soja ist zwar nicht so gross, entspricht aber einer benötigten Nutzfläche in der Grösse des Kantons Freiburg — mit anderen Worten: Auf dieser Fläche wird im Tropenwald Soja allein für die Schweiz angebaut», erklaert Fredi Lüthin, Pressesprecher WWF. «Darum halte ich die Aussage des Fleisch-Fachverbandes für eine schlechte Ausrede», sagt Lüthin.
Ziel: Sensibilisierung
Auch bei der Migros ist man mit der Formulierung «Iss weniger Fleisch» nicht ganz glücklich. Fleisch sei schliesslich auch ein Geschäft der Migros. «Weil sich das Sammelbuch an Kinder richtet, musste die Botschaft möglichst einfach sein. Aus unserer Sicht ist das zwar nicht die glücklichste Botschaft, jedoch muss man das in einem globalen Zusammenhang betrachten», Mediensprecherin Monika Weibel. Der Satz solle die Kinder sensibilisieren und auf ein wichtiges Problem aufmerksam machen. Denn global werde viel Soja als Tierfutter angepflanzt und dafür Regenwald gerodet.
«Soja wird vorwiegend als Bestandteil im Futter für Geflügel und Schweine eingesetzt. Die übrigen Tiere wie Rinder und Kälber sind nicht wirklich auf diesen Eiweissquelle in der Fütterung angewiesen» sagt Weibel. Zudem habe sich die Migros gegenüber dem WWF verpflichtet, sich mit wichtigen Lieferanten wie beispielsweise der Futtermittelindustrie dafür einzusetzen, dass vorerst in der Label-Fleischproduktion nur noch nachhaltig produziertes Soja zum Einsatz kommt. (20min.)


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