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Kamille

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Was macht der Kli­ma­wan­del mit unse­rem Planeten?

In wel­chem Zustand wir unse­ren ein­ma­li­gen, herr­li­chen, ein­zig­ar­ti­gen Pla­ne­ten unse­ren Kin­dern hin­ter­las­sen, hängt zum größ­ten Teil von unse­rem Ess­ver­hal­ten ab.

Die Tier­in­dus­trie, wel­che Flei­scher­zeu­gung durch Zucht­tier­hal­tung betreibt gehört zu den Haupt­ver­ur­sa­chern der schäd­li­chen Treib­haus­gase, die zur Kli­ma­er­wär­mung führen.

Laut FAO-Studie stam­men 65% der Lach­gas­emis­sio­nen aus der Vieh­zucht, vor allem aus Stall­mist. Lach­gas hat einen 300 Mal stär­ke­ren Treib­haus­ef­fekt als CO². Zudem erzeugt Vieh 37 % des Aus­sto­ßes von Methan, das 23 Mal stär­ker zur Kli­ma­er­wär­mung bei­trägt als CO².

Hei­ßer, schnel­ler, schlimmer

In den letz­ten Mona­ten hat die nor­ma­ler­weise zurück­hal­tende Stimme der Wis­sen­schaft in Bezug auf die glo­bale Erwär­mung einen pani­schen Ton angenommen.

Wie kam es, dass die Debatte über die “Unge­wiss­heit” in der Kli­ma­wis­sen­schaft in fast hys­te­ri­sche War­nun­gen von Sei­ten nor­ma­ler­weise sach­lich argu­men­tie­ren­der Wis­sen­schaft­ler über die unum­stöß­lich kata­stro­pha­len Fol­gen über­ge­gan­gen ist? Zwei Gründe.

Zunächst gibt es seit mehr als einem Jahr­zehnt keine wirk­li­che Unsi­cher­heit unter den Wis­sen­schaft­lern. Ein unhei­lige Alli­anz von ton­an­ge­ben­den Fir­men, die fos­sile Brenn­stoffe pro­du­zie­ren, und kon­ser­va­ti­ven Poli­ti­kern hat eine aus­ge­klü­gelte und kapi­tal­kräf­tige Missinformations-Kampagne geführt, um – unge­ach­tet einer fast uni­ver­sel­len wis­sen­schaft­li­chen Überein­stim­mung – Zwei­fel und Kon­tro­ver­sen zu schaf­fen. Sie erhiel­ten Hilfe und Unter­stüt­zung von einer Presse, die Mei­nungs­streit der Wahr­heit vor­zieht, und der Regie­rung Bush, die sys­te­ma­tisch ver­suchte, die Wis­sen­schaft zu ver­fäl­schen und die Regie­rungs­wis­sen­schaft­ler mund­tot zu machen und ein­zu­schüch­tern, die sich über die glo­bale Erwär­mung zu äußern versuchten.

Der zweite Grund ist jedoch, dass die Wis­sen­schaft nicht in der Lage war, genaue Berech­nun­gen anzu­stel­len und im Modell bestimmte posi­tive Rückkopplungs-Mechanismen vor­aus­zu­se­hen, die Auf­schluss gege­ben hät­ten über Geschwin­dig­keit und Aus­maß des durch den Men­schen her­vor­ge­ru­fe­nen Kli­ma­wan­dels. Und bei der glo­ba­len Erwär­mung kön­nen sich posi­tive Rückkopplungs-Mechanismen sehr nega­tiv aus­wir­ken. Die nack­ten Tat­sa­chen sind, dass wir schnell auf meh­rere Kipp-Punkte zusteu­ern – ja sie wahr­schein­lich schon über­schrit­ten haben – wel­che die glo­bale Erwär­mung irre­ver­si­bel machen könnten.

In einem Leit­ar­ti­kel der Bal­ti­more Sun am 15. Dezem­ber 2004 skiz­ziert der Autor einen sol­chen Kipp-Punkt: eine sich selbst ver­stär­kende Rück­kopp­lungs­schleife, in der höhere Tem­pe­ra­tu­ren den Aus­stoß von Methan – ein star­kes Treib­haus­gas – aus eis­ähn­li­chen Struk­tu­ren, den soge­nann­ten Klath­ra­ten, ver­ur­sa­chen. Dies wie­derum führt zu erhöhten

Tem­pe­ra­tu­ren, die wie­derum den Aus­stoß von noch mehr Methan zur Folge haben usw. Obwohl es deut­li­che Hin­weise dar­auf gab, dass die­ser Mecha­nis­mus zu min­des­tens zwei Extrem-Warmzeiten in der geo­lo­gi­schen Ver­gan­gen­heit geführt hat, hatte die wis­sen­schaft­li­che Gemein­schaft 2004 ihr Augen­merk noch nicht auf das Methan­eis gelenkt. Selbst die weni­gen Pes­si­mis­ten glaub­ten oder hoff­ten, wir hät­ten noch ein Jahr­zehnt oder so, bevor etwas Ähnli­ches sei­nen Anfang neh­men würde.

Wir haben uns geirrt.

Im August 2005 gab ein Wissenschaftler-Team aus Oxford und von der Uni­ver­si­tät in Tomsk, Russ­land, bekannt, dass ein mas­si­ves sibi­ri­sches Torf­moor von der Größe Deutsch­lands und Frank­reichs zusam­men am Auf­tauen war und dabei Mil­li­ar­den Ton­nen Methan freisetzte.

Das letzte Mal, dass es warm genug wurde, um diese Rück­kopp­lungs­schleife in Gang zu set­zen, war vor 55 Mil­lio­nen Jah­ren, wäh­rend einer Periode, die als Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum (PETM) bekannt ist, als zuneh­mende vul­ka­ni­sche Akti­vi­tä­ten genü­gend Treib­haus­gase frei­setz­ten, um eine Reihe von sich selbst ver­stär­ken­den “Methan-Rülpsern” her­vor­zu­ru­fen. Die dar­aus resul­tie­rende Erwär­mung ver­ur­sachte mas­si­ves Arten­ster­ben und es dau­erte mehr als 100.000 Jahre, bis die Erde sich davon erholt hatte.

Es sieht so aus, als seien wir drauf und dran, ein viel schlim­me­res Gesche­hen auszulösen.

Bei einer Wis­sen­schafts­ta­gung der AAAS (Ame­ri­can Aca­demy for the Advan­ce­ment of Sci­en­ces) in St. Louis berich­tete James Zachos, – der füh­rende Experte für das PETM – dass sich Treib­haus­gase heute 30 Mal schnel­ler in der Atmo­sphäre anrei­chern als es wäh­rend des PETM geschah.

Viel­leicht haben wir gerade die erste Salve des­sen mit­er­lebt, was sich als ein unum­kehr­ba­rer Weg zur Hölle auf Erden erwei­sen könnte.

Es gibt andere posi­tive Rück­kopp­lungs­schlei­fen, die wir nicht vor­aus­ge­se­hen haben. Z. B. schä­digte die Hit­ze­welle, die im Jahr 2003 35.000 Men­schen tötete, auch die Wald­ge­biete Euro­pas und ließ sie dadurch mehr CO2 – das Haupt­treib­haus­gas – aus­sto­ßen als auf­neh­men. Das ist genau das Gegen­teil des­sen, was wir in unsere Modelle ein­bauen, die die Wäl­der als einen Schwamm anse­hen, der über­schüs­si­ges CO2 aufnimmt.

Das Glei­che geschieht mit einer Anzahl unse­rer Ökosys­teme, die unsere Modelle und Wis­sen­schaft­ler als CO2-Senken ansa­hen. Der Amazonas-Regenwald, die nor­di­schen Wäl­der (einer der größ­ten ter­res­tri­schen Kohlendioxid-Senken des Pla­ne­ten) und die Böden in gemä­ßig­ten Gebie­ten set­zen alle mehr Koh­len­di­oxid frei als sie auf­neh­men, auf­grund von Dür­ren, her­vor­ge­ru­fen durch die glo­bale Erwär­mung, Krank­hei­ten, Schäd­lings­ak­ti­vi­tä­ten und Ände­run­gen des Stoff­kreis­lau­fes. Kurz gesagt: Vie­les, was wir als CO2-Schwamm in unse­ren Model­len behan­deln, nimmt kein über­schüs­si­ges CO2 auf, son­dern wird aus­ge­wrun­gen und setzt zusätz­li­ches CO2 frei.

Die Eis­kappe des Nord­pols schmilzt eben­falls viel schnel­ler als die Modelle es vor­aus­sa­gen kön­nen und setzt damit einen wei­te­ren Ruck­kopp­lungs­ef­fekt in Gang. Weni­ger Eis bedeu­tet mehr offe­nes Was­ser, das wie­derum mehr Hitze absor­biert, was wie­derum weni­ger Eis bedeu­tet usw.

Es ist sogar noch schlim­mer: Wir haben erheb­lich unter­schätzt, mit wel­cher Geschwin­dig­keit die Kon­ti­nen­tal­glet­scher abschmelzen.

Klimawandel-Modelle sagen vor­aus, dass es mehr als 1000 Jahre dau­ert, bis die Eis­de­cke Grön­lands schmilzt. Aber wäh­rend der AAAS-Wissenschaftstagung in St. Louis stellte Eric Rignot von der NASA die Ergeb­nis einer Stu­die vor, die zeigt, wie das Grönland-Eis aus­ein­an­der bricht und ins Meer fließt mit Geschwin­dig­kei­ten, die alles über­tref­fen, was die Wis­sen­schaft­ler vor­aus­ge­sagt haben. Und das Tempo beschleu­nigt sich Jahr für Jahr. Falls (oder dann, wenn) die Eis­de­cke Grön­lands schmilzt, wird der Mee­res­spie­gel um 6 ½ m stei­gen – das genügt, um fast jeden Hafen in Ame­rika zu überschwemmen.

In der Ant­ark­tis fin­det ein ande­rer ver­hee­ren­der Rück­kopp­lungs­ef­fekt statt. Die Krill-Populationen sind in den letz­ten Jah­ren auf­grund des Meereseis-Verlustes um 80 % zurück­ge­gan­gen. Krill ist die wich­tigste Spe­zies in der Nah­rungs­kette des Mee­res. Er nimmt auch gewal­tige Men­gen von CO2 aus der Atmo­sphäre auf. Nie­mand hat sein Abster­ben vor­aus­ge­se­hen, aber die Fol­gen – sowohl für die glo­bale Erwär­mung als auch für die Gesund­heit des Ökosys­tems des Mee­res – sind kata­stro­phal. Auch das wird sich selbst beschleu­ni­gen, da weni­ger Krill bedeu­tet, dass mehr CO2 in der Atmo­sphäre ver­bleibt, was die Meere erwärmt, was weni­ger Eis bedeu­tet, was weni­ger Krill bedeu­tet usw., usw. – eine mas­sive, nega­tive Spirale.

Einer unse­rer her­vor­ra­gen­der Pla­ne­ten­wis­sen­schaft­ler, James Love­lock, glaubt, dass in nicht allzu fer­ner Zukunft die Men­schen auf ein paar wenige Brut­paare in der Ant­ark­tis beschränkt sein wer­den. Es wäre bequem, Pro­fes­sor Love­lock als Welt­un­ter­gangs­apos­tel abzu­qua­li­fi­zie­ren. Das wäre jedoch ein Feh­ler. Vor etwas mehr als einem Jahr, zum Abschluss einer Welt­kon­fe­renz in Exe­ter, Eng­land, zur Ver­hin­de­rung des gefähr­li­chen Kli­ma­wan­dels, warn­ten die Wis­sen­schaft­ler davor, dass wir ernst­hafte und unum­kehr­bare Fol­gen her­auf­be­schwö­ren wür­den, wenn wir zulie­ßen, dass die Treib­haus­gas­kon­zen­tra­tion 400 ppm über­steigt. Wir haben diese Wen­de­marke im Jahr 2005 ohne große Notiz und ohne Trara überschritten.

Die wis­sen­schaft­li­che Unsi­cher­heit bei der glo­ba­len Erwär­mung bezieht sich nicht dar­auf, ob sie statt­fin­det oder ob sie durch mensch­li­che Akti­vi­tä­ten ver­ur­sacht wird oder auch, ob es uns zu viel kos­tet, jetzt damit klar­zu­kom­men. Das ist alles geklärt. Die Wis­sen­schaft­ler dis­ku­tie­ren nun, ob es zu spät ist, die Ver­wüs­tung des Pla­ne­ten zu ver­hin­dern oder ob wir noch ein klei­nes Zeit­fens­ter haben, um die schlimms­ten Aus­wir­kun­gen der glo­ba­len Erwär­mung zu verhindern.

Jeder noch so kleine Bei­trag hilft, seien Sie nicht mut­los, alle zusam­men kön­nen wir es schaf­fen, hel­fen Sie mit!

Grad für Grad-Führer der Klimaerwärmung.

Richard Gir­ling (ehe­ma­li­ger Bera­ter des Umwelt­mi­nis­te­ri­ums und von DCMS Depart­ment for Cul­ture Media and Sport, gegen­wär­tig Ver­wal­ter des Tree Coun­cils ) unter­sucht die Wirk­lich­keit hin­ter der Wis­sen­schaft der Kli­ma­er­wär­mung. Das ist unsere Zukunft:

ALARMSTUFE ROT

Wenn die glo­bale Erwär­mung im gegen­wär­ti­gen Tempo so wei­ter­geht, könn­ten wir unse­rer Aus­rot­tung ins Auge sehen. Was also ist wirk­lich zu erwar­ten, wenn die Erde sich erwärmt?

Erwär­mung um 1 Grad Cel­sius

Eis­freies Meer nimmt mehr Hitze auf und beschleu­nigt glo­bale Erwär­mung; Ver­lust von Süß­was­ser auf einem Drit­tel der Erd­ober­flä­che; tief­lie­gende Küs­ten­ge­biete überschwemmt

Das Erstaun­lichste von allem war”, sagt Lynas, “zu sehen, wie die Men­schen sich beneh­men, wenn die Fas­sade der Zivi­li­sa­tion ein­mal weg­ge­bro­chen ist. Die meis­ten Opfer waren arm und schwarz und muss­ten sich selbst durch­schla­gen, da die Poli­zei ent­we­der bei den Plün­de­run­gen mit­machte oder das Gebiet ver­ließ. Vier Tage nach Beginn der Krise wur­den die Über­le­ben­den in den Super­dome der Stadt gestopft und leb­ten neben über­flie­ßen­den Toi­let­ten und übel­rie­chen­den Kör­pern, da sich Gangs jun­ger Män­ner mit Geweh­ren der ein­zig erhält­li­chen Nah­rung und des Was­sers bemächtigten.

Die viel­leicht denk­wür­digste Szene war ein ein­zel­ner Mili­tär­hub­schrau­ber, der nur für ein paar Minu­ten lan­dete. Seine Besat­zung warf Nah­rungs­mit­tel­pa­kete und Was­ser hin­aus auf den Boden, bevor sie eilig wie­der wie aus einem Kriegs­ge­biet abhob. In Sze­nen, die mehr an ein Drittwelt-Flüchtlingslager erin­ner­ten als an ein ame­ri­ka­ni­sches Stadt­zen­trum, kämpf­ten junge Män­ner um Was­ser, wäh­rend schwan­gere Frauen und die Alten in die Röhre schau­ten. Wirf ihnen nicht vor, dass sie sich so beneh­men, dachte ich. Das pas­siert, wenn Men­schen ver­zwei­felt sind.”

Die Chance, eine glo­bale Erwär­mung von einem Grad zu ver­mei­den: Null.

Erwär­mung um 2 Grad Celsius

Euro­päer ster­ben an Hitz­schlag; Wäl­der von Feuer ver­wüs­tet, gestresste Pflan­zen begin­nen, CO² aus­zu­sto­ßen, statt es auf­zu­neh­men; ein Drit­tel aller Arten sehen der Aus­rot­tung entgegen

Nicht nur Küs­ten­städte wer­den lei­den. Da die Berge ihre Glet­scher ver­lie­ren, ver­lie­ren die Men­schen ihre Was­ser­vor­räte. Der gesamte indi­sche Sub­kon­ti­nent wird ums Über­le­ben kämp­fen. Da die Glet­scher von allen höchs­ten Gip­feln ver­schwin­den, wird ihr Was­ser nicht mehr die mäch­ti­gen Flüsse spei­sen, die das lebens­wich­tige Frisch­was­ser für Hun­derte von Mil­lio­nen lie­fern. Was­ser­man­gel und Hun­gers­nöte wer­den das Ergeb­nis sein und die ganze Region desta­bi­li­sie­ren. Und die­ses Mal wird das Epi­zen­trum der Kata­stro­phe nicht Indien, Nepal oder Ban­gla­desch sein, son­dern Pakis­tan, das im Besitz von Atom­waf­fen ist.

Die Chance, eine Erwär­mung um zwei Grad zu ver­mei­den: 93 %, aber nur wenn der Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen in den nächs­ten 10 Jah­ren um 60 % redu­ziert wird.

Erwär­mung um 3 Grad Celsius

Koh­len­stoff­aus­stoß durch Vege­ta­tion und Böden beschleu­nigt glo­bale Erwär­mung; Abster­ben des Amazonas-Regenwaldes; Super-Orkane ver­hee­ren Küs­ten­städte; Hun­gers­not in Afrika

In dem Maß wie Böden ver­bren­nen, wird das Meer immer wei­ter anstei­gen. Jetzt wer­den nach der opti­mis­tischs­ten Berech­nung 80 % des Mee­rei­ses in der Ark­tis ver­schwun­den sein und der Rest wird bald fol­gen. New York wird über­flu­tet; eine Kata­stro­phe, wie sie Ost-England 1953 traf, wird zu einem nicht nen­nens­wer­ten regel­mä­ßi­gen Ereig­nis; und die Karte von Hol­land wird von der Nord­see zer­ris­sen. Über­all wer­den hun­gernde Men­schen unter­wegs sein – aus Mit­tel­ame­rika nach Mexiko und die USA, und von Afrika nach Europa, wo wie­der­er­ste­hende faschis­ti­sche Par­teien die Wah­len gewin­nen, indem sie ver­spre­chen, sie drau­ßen zu halten.

Die Chance, eine Erwär­mung von drei Grad Cel­sius zu ver­mei­den: gering, wenn der Anstieg um zwei Grad die Rück­kopp­lungs­schlei­fen des Kohlenstoff-Zyklus in den Böden und Pflan­zen auslöst.

Erwär­mung um 4 Grad Celsius

Unkon­trol­lier­ba­res Auf­tauen der Per­ma­frost­bö­den macht glo­bale Erwär­mung unauf­halt­bar; Groß­teil von Groß­bri­tan­nien wegen schwe­rer Über­schwem­mun­gen unbe­wohn­bar; Mit­tel­meer­re­gion verlassen

Einer der gefähr­lichs­ten aller Rück­kopp­lungs­me­cha­nis­men kommt nun ins Spiel – das unkon­trol­lier­bare Auf­tauen der Per­ma­frost­bö­den. Wis­sen­schaft­ler glau­ben, dass min­des­tens 500 Mil­li­ar­den Ton­nen Koh­len­stoff dar­auf war­ten, aus dem ark­ti­schen Eis frei­ge­setzt zu wer­den. Kei­ner hat bis jetzt jedoch eine Zahl genannt, um die glo­bale Erwär­mung dadurch anstei­gen würde. Ein Grad? Zwei? Drei? Die Anhalts­punkte las­sen nichts Gutes erahnen.

Die Chance, eine glo­bale Erwär­mung von vier Grad zu ver­mei­den: gering, wenn der Anstieg drei Grad erreicht und ein unkon­trol­lier­ba­res Auf­tauen der Per­ma­frost­bö­den auslöst.

Erwär­mung um 5 Grad Celsius

Methan vom Mee­res­bo­den beschleu­nigt glo­bale Erwär­mung, Eis an bei­den Polen ver­schwun­den, Men­schen zie­hen umher auf Suche nach Nah­rung und ver­su­chen ver­ge­bens, sich wie Tiere aus der Natur zu ernähren

Wo es keine Zuflucht gibt”, sagt Lyna, “scheint Bür­ger­krieg und der Absturz in ras­si­sche oder kom­mu­nale Kon­flikte eine wahr­schein­lich Folge.” Iso­liert über­le­ben zu wol­len, scheint jedoch genauso undurch­führ­bar wie nach dem Zim­mer­ser­vice zu klin­geln. “Wie viele von uns könn­ten wirk­lich genug Wild fan­gen oder töten, um eine Fami­lie zu ernäh­ren? Selbst wenn eine große Zahl von Men­schen erfolg­reich aufs Land aus­schwärmt, wür­den die Wildtier-Populationen unter dem Druck schnell schrump­fen. Für die Lebens­weise eines Jägers und Samm­lers benö­tigt man pro Per­son 10 bis 100 Mal so viel Land wie eine Gemein­schaft von sess­haf­ten Bau­ern. Der Aus­weg, im gro­ßen Maß­stab auf eine Art Über­le­bens­kampf zurück­zu­grei­fen, hätte wei­tere kata­stro­phale Aus­wir­kun­gen auf die Bio­di­ver­si­tät, da die hung­ri­gen Men­schen alles töten wür­den, was sich bewegt.” Auch viel­leicht sich gegen­sei­tig. “Ein­dring­linge”, sagt Lynas, “beneh­men sich den Orts­an­säs­si­gen gegen­über, die ihnen Nah­rung ver­wei­gern, nicht nett. Die Geschichte hat gezeigt, dass der Haus­halts­vor­stand und seine Fami­lie gefol­tert und getö­tet wer­den könn­ten, wenn ein Vor­rat ent­deckt wird. Schauen Sie zum Ver­gleich die Erfah­run­gen in Soma­lia, Sudan oder Burundi unse­rer Tage an, wo die Kon­flikte um knap­pes Land und Nah­rung die Wur­zeln der anhal­ten­den Stam­mes­kriege und des Staats­zu­sam­men­bru­ches sind.”

Die Chance, eine Erhö­hung um 5 Grad zu ver­mei­den: ver­nach­läs­sig­bar, wenn der Anstieg vier Grad erreicht hat und das gespei­cherte Methan am Mee­res­bo­den frei­ge­setzt wird.

Erwär­mung um 6 Grad Celsius

Leben auf Erden endet mit apo­ka­lyp­ti­schen Stür­men, Sturm­flu­ten, Schwe­fel­was­ser­stoff­gas– und Methan-Feuerbälle rasen über den Glo­bus mit der Kraft von Atom­bom­ben; nur Pilze überleben

Zunächst treibt eine kleine Stö­rung ein mit Gas gesät­tig­tes Was­ser­pa­ket nach oben. Beim Auf­stei­gen erschei­nen Bla­sen, da das gelöste Gas durch die Druck­ver­min­de­rung her­auszischt – genau wie eine Limo­na­den­fla­sche über­läuft, wenn der Deckel zu schnell abge­nom­men wird. Diese Gas­bla­sen machen das Was­ser­pa­ket noch akti­ver und beschleu­ni­gen sei­nen Auf­stieg durch das Was­ser. Bei sei­nem Auf­stieg erhält es eine explo­sive Kraft und zieht das Umge­bungs­was­ser mit sich nach oben. An der Ober­flä­che schießt das Was­ser Hun­derte von Metern in die Luft, weil das frei­ge­setzte Gas in die Atmo­sphäre knallt. Schock­wel­len brei­ten sich in alle Rich­tun­gen aus und lösen noch mehr Aus­brü­che in der Nähe aus.

Die Erup­tion ist mehr als irgend­eine posi­tive Rück­kopp­lungs­schleife im sich beschleu­ni­gen­den Pro­zess der glo­ba­len Erwär­mung. Im Gegen­satz zu CO² ist Methan ent­flamm­bar. “Selbst in der Luft – bei einer Methan­kon­zen­tra­tion von nicht mehr als 5 % –”, sagt Lynas “kann sich die Mischung durch Blitz­schlag oder irgend­ei­nen ande­ren Fun­ken ent­zün­den und Feu­er­bälle über den Him­mel schleu­dern.” Der Effekt wäre ähnlich den Luft-Treibstoff-Sprengstoffen, die von den Armeen der USA und Russ­lands ver­wen­det wer­den – so genannte “Vakuum-Bomben”, die Treib­stoff­trop­fen über dem Ziel ent­zün­den. Laut CIA wird “wer sich in der Nähe des Zünd­punkts befin­det aus­ge­löscht. Die­je­ni­gen, die sich in der Rand­zone auf­hal­ten, erlei­den wahr­schein­lich viele innere Ver­let­zun­gen, dar­un­ter auch geplatzte Trom­mel­felle, schlimme Gehirn­er­schüt­te­run­gen, Lun­gen­risse, Risse der inne­ren Organe und erblin­den mög­li­cher­weise.” Sol­che tak­ti­schen Waf­fen sind Knall­frö­sche im Ver­gleich zu den Methan-Luft-Wolken aus den ozea­ni­schen Erup­tio­nen. Wis­sen­schaft­ler rech­nen damit, dass sie “das Leben auf der Erde fast voll­stän­dig zer­stö­ren könn­ten” (vor 251 Mil­lio­nen Jah­ren über­lebte nur ein gro­ßes Land­tier, der schwein­s­ähn­li­che Lystrosaurus).

Es wird geschätzt, dass eine große Erup­tion in der Zukunft eine Ener­gie frei­set­zen könnte, die 108 Mega­ton­nen TNT ent­spricht – 100.000 mal mehr als der gesamte Welt­vor­rat an Atom­waf­fen. Nicht ein­mal Lynas kann, trotz all sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Kor­rekt­heit, das Hollywood-Ende ver­hin­dern. Es ist nicht allzu schwie­rig, sich den schlimms­ten Alb­traum aus­zu­ma­len: ozea­ni­sche Methan-Ausbrüche in der Nähe von stark bevöl­ker­ten Zen­tren, die Mil­li­ar­den von Men­schen aus­lö­schen – viel­leicht inner­halb von eini­gen Tagen. Stel­len Sie sich einen Treibstoff-Luft-Feuerball vor, der auf eine Stadt zurast – sagen wir Lon­don oder Tokio –, die Druck­welle, die sich vom Zen­trum der Explo­sion aus­brei­tet und die Kraft einer Atom­bombe hat.

Gebäude wer­den dem Erd­bo­den gleich gemacht, Leute wer­den dort ver­brannt, wo sie ste­hen, oder wer­den blind und taub durch die Kraft der Explo­sion. Kom­bi­nie­ren Sie Hiro­shima mit New Orleans, nach­dem der Orkan Kat­rina zuge­schla­gen hatte, um eine Vor­stel­lung davon zu erhal­ten, wie die Kata­stro­phe aus­se­hen könnte: Ver­brannte Über­le­bende kämp­fen um Nah­rung, zie­hen über­all außer­halb der lee­ren Städte herum.

Die Chance, eine glo­bale Erwär­mung um 6 Grad zu ver­mei­den: Null, wenn der Anstieg bereits fünf Grad erreicht hat – ein Zeit­punkt, zu dem alle Rück­kopp­lungs­schlei­fen ganz und gar außer Kon­trolle gera­ten sind.

Quel­len:

Der Arti­kel von John Atche­son (atchman@comcast.net) erschien in der Washing­ton Post, der Bal­ti­more Sun, den San Jose Mer­cury News, dem Mem­phis Com­mer­cial Appeal und auch in eini­gen Arbeitsjournalen.

http://www.commondreams.org/views06/0222–27.htm

Six Degrees: Our Future on a Hot­ter Pla­net („Sechs Grad: Unsere Zukunft auf einem hei­ße­ren Pla­ne­ten“, deut­sche Aus­gabe noch nicht erschie­nen), von Mark Lynas, wurde am 19. März von Har­per Collins herausgegeben.

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/uk/science/article1480669.ece

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