Klima / Umweltschutz

Klimaschutz

Kli­ma­schutz

Der grösste Teil der beob­ach­te­ten glo­ba­len Erwär­mung der letz­ten Jahr­zehnte ist mit sehr hoher Wahr­schein­lich­keit auf die vom Mensch ver­ur­sach­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen zurück­zu­füh­ren”. Dies ist die Kern­aus­sage des neus­ten Berich­tes des Inter­go­vern­men­tal Panel on Cli­mate Change (IPCC) und ent­spricht einem welt­wei­ten wis­sen­schaft­li­chen Konsens.

Immer mehr Wis­sen­schaft­ler war­nen vor unbe­re­chen­ba­ren Varia­blen in der Dyna­mik des Kli­ma­wan­dels. Soll­ten sich zum Bei­spiel die Methan­vor­kom­men in den Per­ma­frost­bö­den oder den Mee­res­bö­den lösen, würde sich der Kli­ma­wan­del völ­lig ver­selb­stän­di­gen. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Fak­tor in die­sem Zusam­men­hang sind die durch das polare Eis reflek­tier­ten Son­nen­strah­len. Ver­schwin­det das Eis, wird durch die dar­un­ter lie­gende, dunk­lere Mee­res­ober­flä­che bis zu 80% mehr Wär­me­strah­lung absor­biert. Je mehr sich das Eis ver­rin­gert, desto mehr erhitzt sich das Meer­was­ser, was wie­derum mehr Eis schmel­zen lässt, usw.

Dabei müs­sen die Berech­nun­gen der Kli­ma­wis­sen­schaft­ler stän­dig kor­ri­giert wer­den, weil vor­her­ge­sagte Ereig­nisse viel frü­her, oder in schlim­me­rem Aus­maß auf­tre­ten, als frü­her ange­nom­men. So wurde ursprüng­lich vom Welt­kli­ma­rat und vom Sach­ver­stän­di­gen­rat der Bun­des­re­gie­rung ange­nom­men wor­den, die Ark­tis könnte bis 2030 bzw. bis zur Mitte des Jahr­hun­derts eis­frei sein. Vor weni­gen Jah­ren scho­ckierte uns jedoch die NASA mit Satel­li­ten­bil­dern, die einen fast eis­freien Nord­pol und eine erst­mals für nor­male Schiffe pas­sier­bare Nord­west­pas­sage zeigten.

Die Tier­wirt­schaft ist mit bis zu 32% der welt­wei­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen der Haupt­ver­ur­sa­cher des anthro­po­gen Kli­ma­wan­dels und liegt um ein Viel­fa­ches höher als der gesamte glo­bale Ver­kehrs­sek­tor mit 13%, der schon seit lan­ger Zeit mit Umwelt­steu­ern belegt wurde.

Vor allem Rind­fleisch führt zu gro­ßen Schä­den. Methan wird bei der Ver­dau­ung der Kühe frei­ge­setzt und durch die Zer­set­zung des Dün­gers. Um ein Kilo Rind­fleisch her­zu­stel­len, müs­sen die Bau­ern der Kuh 15 Kilo Getreide und 30 Kilo Grün­fut­ter ver­füt­tern. Getreide erfor­dert Dün­ger, der sei­ner­seits bei der Her­stel­lung ener­gie­in­ten­siv ist. Ein Drit­tel der land­wirt­schaft­lich nutz­ba­ren Flä­che wird für den Anbau von Vieh­fut­ter und ein Vier­tel der eis­freien Land­flä­che der Erde als Wei­den genutzt. Eine Über­nut­zung und Ver­schlech­te­rung der Böden kann dabei zusätz­lich zur Frei­set­zung von Koh­len­stoff füh­ren, genauso wie die vor allem in Latein­ame­rika prak­ti­zierte Brand­ro­dung von Wäl­dern zur Gewin­nung von Wei­de­land. Laut FAO beein­träch­tigt die Vieh­zucht zudem an vie­len Orten der Welt die Bio­di­ver­si­tät und den Was­ser­kreis­lauf. Bra­si­lien gehört mitt­ler­weile zu den zehn Natio­nen, die welt­weit am meis­ten Treib­haus­gase aus­sto­ßen, obwohl das Land kaum Schwer­in­dus­trie besitzt und große Men­gen Strom durch Was­ser­kraft produziert.

Sech­zig Pro­zent des bra­si­lia­ni­schen CO 2-Ausstoßes wer­den durch Kahl­schlag und Brand­ro­dung im Ama­zo­nas ver­ur­sacht. Der spei­chert geschätzte 120 Mil­li­ar­den Ton­nen Koh­len­stoff. Der­zeit bläst die Welt­ge­mein­schaft jedes Jahr „nur” 25 Mil­li­ar­den Ton­nen CO2 in die Luft. Dem Ama­zo­nas droht in der Zukunft wei­ter das große Fres­sen. Die FAO-Studie geht bis Mitte des Jahr­hun­derts von einer Ver­dop­pe­lung der Fleisch­pro­duk­tion und einer fast so gro­ßen Stei­ge­rung in der Milch­wirt­schaft aus. Dabei spielt Soja eine ent­schei­dende Rolle. Soja ist das meist­ge­han­delte Land­wirt­schafts­pro­dukt auf dem Welt­markt und wird ins­be­son­dere als Kraft­fut­ter in der Mas­sen­tier­hal­tung ein­ge­setzt. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren stieg die Nach­frage jähr­lich durch­schnitt­lich um etwa zehn Prozent.

Bra­si­lien ist bereits zweit­größ­ter Soja­ex­por­teur welt­weit und will seine Pro­duk­tion ver­drei­fa­chen. Soja­schrot ist bei uns mitt­ler­weile das wich­tigste eiweiß­hal­tige Fut­ter­mit­tel in der Tier­mast, mit dem Mil­lio­nen Schweine, Rin­der, Hähn­chen und Puten auf­ge­päp­pelt wer­den. Sie sind bei uns Hoch­leis­tungs­tiere, die Hoch­leis­tungs­fut­ter brau­chen. Für die Pro­duk­tion von einem Kilo Hüh­ner­fleisch wer­den etwa zehn Kilo pflanz­li­ches Eiweiß benö­tigt. Seit BSE steigt der Bedarf und Bra­si­lien besitzt noch rie­sige Flä­chen, auf denen die Pro­duk­tion aus­ge­wei­tet wer­den kann — die lie­gen frei­lich im Amazonas.

Die Soja­plan­ta­gen in Bra­si­lien haben längst den Ama­zo­nas erreicht. Mit dem „Soja-Hafen” in Ita­coa­ti­ara wurde das gesamte Amazonas-Wassersystem für den direk­ten Zugang zu den euro­päi­schen Märk­ten geöffnet.

Wegen des die Umwelt schä­di­gen­den Anbaus dür­fen Ökobau­ern bei uns kein Soja ein­set­zen, sie müs­sen Fut­ter­mit­tel aus regio­na­lem Anbau nut­zen. Tat­säch­lich kann Soja durch Acker­boh­nen, Erb­sen oder Lupi­nen ersetzt wer­den, die eben­falls einen aus­rei­chen­den Eiweiß­an­teil enthalten.

Soja ist eine her­vor­ra­gende Eiwei­ßquelle. Aber ist es sinn­voll, erst den Regen­wald abzu­hol­zen, um Platz für Soja­plan­ta­gen zu schaf­fen? Um dann Soja­schrot Tau­sende von Kilo­me­tern nach Europa zu ver­schif­fen, wo er in Mast­be­trie­ben ver­füt­tert wird? Und die Men­schen zu bekös­ti­gen, die schon aus gesund­heit­li­chen Grün­den weni­ger tie­ri­sches Eiweiß brauchen?

Die Auf­zucht von Tie­ren der Fleisch­in­dus­trie ver­schlingt enorme Men­gen an Land, Lebens­mit­teln, Ener­gie und Was­ser. Die Neben­pro­dukte der Tier­wirt­schaft ver­schmut­zen Luft und Was­ser. Vege­ta­rier und Vega­ner wel­che  Tier­pro­dukte ver­mei­den, sind defi­ni­tiv die wir­kungs­volls­ten Umweltschützer.

Es wer­den zehn­tau­sende Pflan­zen und Tier­ar­ten zer­stört, bei dem Raub­bau für die Nah­rungs­mit­tel­be­schaf­fung des Viehs, des­sen Fleisch anschlies­send im mensch­li­chen Kör­per enorme Gesund­heits­kos­ten ver­ur­sacht, was eine grosse Last für die Gemein­schaft bedeutet.

Roh­stoff­ver­brauch:

Mit dem Anstieg des welt­wei­ten Fleisch­ver­brauchs ver­nich­ten Län­der welt­weit rie­sige Land­flä­chen, um Platz für die Tier­zucht und den Anbau von Fut­ter­mit­teln zu schaf­fen. Von tro­pi­schen Regen­wäl­dern in Bra­si­lien bis hin zu ural­ten Pini­en­wäl­dern in China – um die Fleisch­sucht des Men­schen zu befrie­di­gen, wer­den ganze Ökosys­teme unwie­der­bring­lich zer­stört. Vor allem die Wald­be­stände die­ser Erde fal­len der res­sour­cen­ver­schlin­gen­den Fleisch­in­dus­trie zum Opfer. Allein in Süd­ame­rika sind in den let­zen 40 Jah­ren 40 Pro­zent des Regen­wal­des Wei­de­flä­chen oder der Pro­duk­tion von Fut­ter­mit­teln für Tiere zum Opfer gefal­len (1). Bis 2010 erwar­tet die Welt­er­näh­rungs­or­ga­ni­sa­tion der UN (Food and Agri­cul­ture Orga­ni­sa­tion, FAO) eine durch­schnitt­li­che Rodung von jähr­lich 3 Mil­lio­nen wei­te­ren Hektar Regen­wald (2).

Was­ser ist zen­tral und über­le­bens­wich­tig. Doch lei­der ist Trink­was­ser ungleich ver­teilt und wird immer mehr zur Man­gel­ware – und wie so oft lei­den dar­un­ter haupt­säch­lich die Armen. Etwa 70% der erschlos­se­nen Was­ser­res­sour­cen flie­ßen in die Land­wirt­schaft. Dabei ist die Fleisch­in­dus­trie beson­ders Wasser-verbrauchsintensiv. In einem Kilo Fleisch ste­cken rund 15 m³ Was­ser (3)! Das World Watch Insti­tut hat hierzu 2004 berech­net, dass man mit dem Was­ser, dass in der Pro­duk­tion die­ses Kilos steckt, ein Jahr lang täg­lich duschen könnte (4).

Luft­ver­schmut­zung:

Koh­len­stoff­di­oxid, Methan und Stick­oxid gel­ten als Haupt­ur­sa­che für den Kli­ma­wan­del. Wäh­rend der Pro­duk­tion von nur einem Kilo Rind­fleisch wer­den mehr Treib­haus­gas­emis­sio­nen frei­ge­setzt, als würde man 250 km Auto fah­ren, und es wird mehr Ener­gie ver­braucht, als würde man eine 100W-Glühbirne 20 Tage lang unun­ter­bro­chen bren­nen las­sen (5). Im Jahr 2006 ver­öf­fent­lichte die Ernäh­rungs­or­ga­ni­sa­tion (Food and Agri­cul­ture Orga­ni­sa­tion, FAO) der Ver­ein­ten Natio­nen einen Bericht, der auf­zeigte, dass die Tier­wirt­schaft mehr Treib­haus­gase ver­ur­sacht als alle Autos und Last­wa­gen der gan­zen Welt zusam­men. Hen­ning Stein­feld, lei­ten­der Beam­ter der FAO, berich­tet, dass die Fleisch­in­dus­trie „einen enor­men Bei­trag zu den gefähr­lichs­ten Umwelt­pro­ble­men unse­rer Zeit beiträgt.“

Mas­sen­tier­be­triebe pro­du­zie­ren außer­dem extreme Men­gen an Staub, Fein­staub und andere schäd­li­che Stoffe die Luft ver­pes­ten. Außer­dem erzeu­gen die welt­weit Mil­li­ar­den Tiere, die in den Mas­sen­be­trie­ben ein­ge­sperrt sind, enorme Men­gen an Ammo­niak, das sehr schäd­lich für Gesund­heit und Umwelt ist.

Was­ser­ver­schmut­zung:

Die Mas­sen­tier­hal­tung pro­du­ziert jedes Jahr unglaub­li­che Men­gen an Dün­ger. Da tie­ri­sche Aus­schei­dun­gen – im Gegen­satz zu den mensch­li­chen – nicht durch Klär­an­la­gen behan­delt wer­den, gelan­gen diese in das Was­ser­sys­tem und kön­nen sich schluss­end­lich in Flüs­sen, Seen und unse­rem Trink­was­ser wie­der finden.

Die Aus­schei­dun­gen der Tiere, die mit all den in der Mas­sen­tier­hal­tung ein­ge­set­zen Medi­ka­men­ten und Bazil­len ver­setzt sind, wer­den nor­ma­ler­weise als Dün­ge­mit­tel für Fel­der benutzt. Viele Ton­nen Gülle lan­den zuerst zur Zwi­schen­la­ge­rung in rie­si­gen Gru­ben und spä­ter auf Pflan­zen oder dem Boden und ver­schmut­zen so sowohl die Luft als auch das Was­ser. Doch das ist noch nicht alles. Bäche und Flüsse kön­nen die Aus­schei­dun­gen von den Anla­gen bis ins Meer tra­gen. Der Stick­stoff aus Tier­aus­schei­dun­gen und den Dün­ge­mit­teln, die haupt­säch­lich zur Pro­duk­tion von Fut­ter­mit­teln ver­wen­det wer­den, sowie die Medi­ka­mente füh­ren dazu, dass die Viel­falt und Sta­bi­li­tät der Meere bedroht wird. Die Medikamenten-Rückstände stel­len auch durch die­sen Weg über die Nah­rungs­kette eine gesund­heit­li­che Gefähr­dung des Men­schen dar.

Vieh­zucht:

Im Jahr 2006 schätzte die Welt­er­näh­rungs­or­ga­ni­sa­tion der Ver­ein­ten Natio­nen, dass die Vieh­zucht zur Pro­duk­tion von Fleisch und Milch­pro­duk­ten für 18 % der glo­ba­len Erwär­mung ver­ant­wort­lich sei. Es wird den Wis­sen­schaft­lern jedoch zuneh­mend klar, dass die Vieh­wirt­schaft eine wesent­lich ent­schei­den­dere Rolle spielt. Dr. Rajen­dra Pach­auri — Vor­sit­zen­der des Welt­kli­ma­ra­tes der Ver­ein­ten Natio­nen (IPCC), Vege­ta­rier: Seit die Leute von der Rede wis­sen, die ich heute hier hal­ten wollte, habe ich zahl­rei­che Emails von Men­schen erhal­ten, die ich respek­tiere und die sagen, dass der Pro­zent­satz von 18 % eine zu geringe Ein­schät­zung ist; es ist eine nied­rige Schät­zung und tat­säch­lich ist es viel höher.

Treib­haus­gase wer­den prak­tisch bei jedem Schritt im Fleisch-Produktionsprozess aus­ge­sto­ßen. Von den drei Haupt­treib­haus­ga­sen — CO2, Methan und Lach­gas — ist Methan 72 Mal stär­ker als CO2, wäh­rend Lach­gas 300 Mal stär­ker wirkt.

Dr. T. Colin Camp­bell, ein aner­kann­ter Wis­sen­schaft­ler und inter­na­tio­na­ler Best­sel­ler­au­tor „Der China-Studie”, wies auch dar­auf hin, dass die Vieh­zucht bei der Erwär­mung des Pla­ne­ten eine viel grö­ßere Rolle spielt: Ich habe gerade die Infor­ma­tion erhal­ten, dass die neuen Zah­len jetzt anzei­gen, dass min­des­tens die Hälfte aller Treib­haus­gase, die jetzt dort oben sind — nicht 15 oder 20 %, min­des­tens die Hälfte und viel­leicht wesent­lich mehr — aus der Vieh­pro­duk­tion stammen.

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